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Informationseiten für Tierbesitzer über die Herzwurmerkrankung (Dirfilariose)

Autor: Dr. Gerhard Wess, Dipl. ECVIM-CA

 

Einführung:

Die Herzwurmerkrankung wird auch Dirofilariose genannt. Die Ursache der Herzwurmerkrankung ist ein Parasit vom Typus der Nematoden (Fadenwürmer) namens Dirofilaria inmitis und allgemein als Dirofilarie bekannt.

Er lebt vorallem in den der Lunge angrenzenden grossen Blutgefässen, weshalb der Name "Herzwurm" eigentlich irreführend ist. Ein Hund kann von einem oder von hunderten von erwachsenen Fadenwürmern befallen werden, die eine Länge von 15 - 35 cm erreichen können.

Vorkommen:

Die Herzwurmerkrankung ist in Europa hauptsächlich in den Mittelmeerländern verbreitet.

Besonders stark betroffene Länder sind die Inseln des Kanarischen Archipels, Südfrankreich, Spanien, sowie die italienische Po Ebene. Auch in Valencia, Murcia und Andalusien kommt diese Krankheit vor. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist sie eine Seuche grössten Ausmaßes und hat sich in den letzten zwanzig Jahren rasch verbreitet. Obwohl es sich hauptsächlich um eine Hundekrankheit handelt, so kann dieser Parasit auch Katzen, Frettchen, Füchse, Kojoten und Wölfe befallen.

Biologischer Zyklus:

Die Dirofilariose wird von einem Hund auf den anderen nur durch bestimmte Moskitoarten (Stechmücken) übertragen. Der weibliche Fadenwurm setzt Embryonen, Mikrofilarien genannt, im Blut ab. Die Stechmücke wird beim Einsaugen dieser Mikrofilarie angesteckt, wenn sie sich vom Blut eines verseuchten Hundes nährt. Während der folgenden 10 - 15 Tagen verwandelt sich die Mikrofilarie zweimal in der Stechmücke, bis sie die infektiöse Larvenphase erreicht. Wenn die Stechmücke nun erneut Blut saugt, dringt die Larve durch den Mückenstich in den Körper des Hundes ein. Die Larve braucht ungefähr 6 Monate, um in die Lungenarterien zu wandern, ihre Geschlechtsreife zu erlangen und Mikrofilarien im Blut abzulagern. Da die Übertragung dieser Krankheit ausschließlich von Moskitos abhängig ist, tritt sie häufiger und stärker dort auf, wo Hunde in grossen Mengen verseuchten Stechmücken ausgesetzt sind.

Auswirkungen auf den Körper:

Die Herzwurmerkrankung verursacht Schäden in den Lungenarterien. Adulte Herzwürmer lösen Entzündungsreaktion in Pulmonalarterien aus, es kommt zu :

Endarteritis

Pulmonalarterien Dilatation

Erhöhte Wandsteife

Eine eosinophile Pneumonitis, sowie Thromboembolien sind weitere Komplikationen.

Klinische Symptome:

Manche Hunde, vor allem junge Tiere, die nur an leichter sich erst unlängst zugezogener Verseuchung leiden, weisen keine Anzeichen dieser Krankheit auf. Ein Hund, der schon längere Zeit an Dirofilarioses leidet, kann Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und chronischen Husten aufweisen, ermüdet schnell bei körperlicher Bewegung und kann während oder nach der körperlichen Anstrengung aufgrund von Herzinsuffizienz sogar ohnmächtig werden. Die Herzinsuffizienz ist am Schwellbauch (Aszites) zu erkennen, was auf einen Flüssigkeitsstau im Unterleib zurückzuführen ist. Bei manchen stark verseuchten Hunden erscheint das sogenannte ,,Hohlvenen-Syndrom" (Cavalsyndrom). Durch eine grosse Anzahl von Fadenwürmern wird die Öffnung der Klappe zwischen der rechten Herzkammer und der Hohlvene verstopft, die das Blut zum Herz zurückführt. Ein Hund in diesem Stadium leidet plötzlich an Schwäche, wird lustlos und verliert den Appetit. Der Harn färbt sich dunkelbraun und das Tier leidet an Anämie und Gelbsucht.

Hier nochmals eine Zusammenfassung der Symptome:

Meistens keine klinischen Zeichen!!!

Respiratorische Anzeichen:

Husten mit Abstand häufigste klinische Zeichen

Tachypnoe und Dyspnoe mit schwerer Erkrankung

Leistungsschwäche

Gewichtsverlust

Synkopen (selten)

Aszites (selten)

Erbrechen (Katze)

Sekundentod (Katze)

Diagnose:

Es gibt verschiedene Tests auf Herzwürmer. Zum einen kann der Herzwurmbefall durch Vorfinden von Mikrofilarien bei der Blutuntersuchung festgestellt werden:

Manche Hunde jedoch haben erwachsene Herzwürmer, ohne dass Mikrofilarien im Blut enthalten sind. Adulte Herzwürmer können mittels eines Antigen oder Antikörper Blutest nachgewiesen werden. Für diese Tests wird etwas Blut entnommen, dass auf das Vorhandensein von Antigenen untersucht wird. Ein Antigentest weist Antigene gegen den Uterus weiblicher Herzwürmer nach, weshalb der Test auch dann positiv ist, wenn weibliche Herzwürmer vorhanden sind. Zudem müssen mehr als 3 Herzwürmer vorhanden sein, bevor der Test positiv ausfällt. Es ist zu beachten, daß dieser Test erst ca. 6 Monate nach Befall positiv sein kann, es also noch keinen Sinn macht, einen Hund auf Herzwürmer zu Testen, wenn er gerade aus dem Urlaub zurückkommt.

Röntgenaufnahmen des Thorax helfen ebenfalls einen Herzwurmbefall zu entdecken, da sie Veränderungen der Lungenarterien aufweisen können:


Im Bild ein schwerer Herzwurmbefall.

Behandlung:

Alle Fälle von Filariosis, mit Ausnahme der allerschwersten, können erfolgreich behandelt werden.

Grundsätzlich gibt es drei Behandlungsstufen:

1. Die erste Phase besteht aus einem Gesamtbild des Gesundheitszustandes: komplette Krankengeschichte des Hundes, Untersuchung, Ana1ysen, Röntgenaufnahmen des Thorax und EKG.

2. Anschließend werden die erwachsenen Fadenwürmer abgetötet, denn sie sind die eigentliche Krankheitsursache. Dem Hund werden zwei Tage lang intramuskuläre Injektionen (mit Melarsomine= Immiticide) verabreicht. Während des Aufenthalts in der Kleintierklinik wird das Tier sorgfältig beobachtet, um etwaige negative Reaktionen feststellen zu können. Nach Verlassen der Kleintierklinik muss die Bewegungsfreiheit des Hundes mehrere Wochen (4 Wochen) lang eingeschränkt werden, um zu vermeiden, dass die bereits toten Herzwürmer durch Thromboembolien in der Lunge schwere Schäden auslösen, die tödlich verlaufen können. In manchen Fällen kann diese Behandlungsphase nicht durchgeführt werden, wenn der Gesundheitszustand des Tieres es nicht gestattet, und es muss eine gewisse Zeit abgewartet werden, bis das Tier sich etwas erholt hat.

3. Die Endphase der Behandlung besteht aus Verabreichung von Medikamenten zur Ausscheidung der Mikrofilarien. Dies geschieht 3 - 4 Wochen später, nach der Behandlung gegen die erwachsenen Fadenwürmer. Wenn dann keine Mikrofilarien mehr im Blut vorzufinden sind und der Test negativ ausfällt, kann man bei dem Tier mit der vorbeugenden Behandlung beginnen.

Hunde, die Symptome von fortgeschrittener Dirofilariose aufweisen, und besonders solche Tiere, die an Herzinsuffizienz leiden, gehen das Risiko ein, dass nach der Behandlung gegen die erwachsenen Fadenwürmer Komplikationen auftreten könnten. Die am Hohlvenen-Syndrom leidenden Tiere müssen sofort einem chirurgischen Eingriff unterzogen werden, dem anschließend dann die übliche medikamentelle Therapie folgt. Der Tierarzt kann das Risiko bewerten und die zweckmässigste Behandlung bestimmen.

Vorbeugung-Prophylaxe:

Die Vorbeugungsmassnahmen sollten überall dort eingesetzt werden, wo die Krankheit häufig vorkommt, d. h. endemisch ist und die Hunde den Moskitos ausgesetzt sind. Da dies in Deutschland nicht der Fall ist, muss auch keine Prophylaxe gemacht werden. Sollte der Hund in ein südliches Urlaubsziel mitgenommen werden, in dem es Herzwürmer gibt, ist eine Prophylaxe zu empfehlen.

MONATLICHE VORBEUGUNGS-MEDIKATION:

Das modernste Schutzverfahren gegen Filariosis besteht aus der monatlichen Verabreichung von IVERMECTIN oder MILBEMYCIN-Produkten, die speziell für Hunde gedacht sind. Sie befinden sich als normale oder kaubare Tabletten auf dem Markt, und zwar in verschiedenen, dem Gewicht des Tieres entsprechenden Grössen.

Die vorbeugende Arznei verabreicht man innerhalb desselben Monats, nachdem der Hund den Moskitos ausgesetzt gewesen ist. Und anschliessend dann einmal monatlich, die ganze Zeit über, solange das Tier mit Stechmücken in Berührung kommt. Die letzte Dosis gibt man dann einen Monat später, nachdem die Stechmückenzeit vorbei ist. In Gebieten, wo es das ganze Jahr über Moskitos gibt, macht man die Behandlung einmal im Monat das ganze Leben lang.

 
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