Home > Tierärzte > EKG > EKG Seminar: AV Blocks

Das EKG Seminar behandelt in diesem Teil Atrio-Ventrikulären (AV-) Blockierungen= AV-Blocks

EKG: AV-Blocks

Bei Störungen der Erregungsausbreitung ist entweder die Zeit zwischen Beginn der Vorhofsdepolarisation (P-Welle) und Beginn der Kammererregung (im Falle von AV-Blockierungen) oder die Phase der Ausbreitung vom AV-Knoten / proximalen His-Bündel über die Tawara-Schenkel bis zum Ventrikelmyokard (im Falle von Schenkelblockbildern) verzögert.

Man unterscheidet verschiedene Typen von Atrio-Ventrikulären (AV-) Blockierungen:

AV-Block I. Grades:

Im EKG Verlängerung der PQ-Strecke um mehr als 0,13 Sekunden beim Hund, bzw. 0,09 Sekunden bei der Katze.

Die AV-Blockierung I. Grades entsteht durch eine Verlängerung der Impulsweiterleitung vom Sinusknoten zu den Ventrikeln. Diese Störung kann im AV-Knoten, aber auch im Bereich des His-Bündels oder noch weiter distal liegen. Untersuchungen bei Tieren wurden noch nicht durchgeführt, den exakten Störungsort zu ermitteln.

Die Diagnose im EKG ist im allgemeinen einfach. Ist die PQ-Zeit jedoch extrem verlängert, so können sich die Vorhofaktionen in den T-Wellen verbergen.

AV-Blocks ersten Grades können im Rahmen von entzündlichen oder degenerativen Prozessen im Leitungssystem entstehen. Zudem sind sie auch Symptom einer Digitalisvergiftung, oder einer anderen Antiarrhythmikum-Überdosierung, sowie bei Hyperkaliämie. AV-Blocks I. Grades treten zudem bei hohem Vagustonus auf.

Für sich allein hat der AV-Block I keine klinische Bedeutung, er kann jedoch Vorbote höhergradiger Blockierungen sein

Therapie: nicht nötig.


AV-Block II. Grades, Mobitz Typ I oder Wenkebach:

Form des AV-Blocks mit fortschreitender Leitungsverzögerung bis hin zum totalen Leitungsausfall.

Beim "AV-Block II Grades, Mobitz Typ I, auch "Wenckebach" genannt, verlängert sich die PQ-Dauer durch zunehmende Ermüdung des AV-Knotens periodenweise, bis es zum totalen Ausfall der Überleitung durch den AV-Knoten kommt. Die P-R Strecke kann normal oder verlängert (AV-Block I. Grades):

Die Überleitungszeit der Vorhofserregung auf den Ventrikel (PQ-Zeit) nimmt von Schlag zu Schlag zu, bis dann eine P-Welle gar nicht mehr übergeleitet wird

Der AV-Block II, Mobitz Typ I ist häufig Symptom einer Digitalisüberdosierung (oder anderer Antiarrhythmika), physiologischer Veränderungen, oder von Erkrankungen im AV-Knoten selbst.

AV-Blocks II. Grades können auch bei normalen Tieren beobachtet werden, z.B. bei Welpen. Beim gesunden Patienten kann er auch das Resultat eines starken Vagotonus sein. Der AV-Knoten ist mit vielen Vagus-Nerven Fasern innerviert. Deshalb produziert ein hoher Vagustonus auch eher einen AV-Block II. Grades Typ I, als Typ II. Selten beobachtet wird eine Störung der Leitungsbahnen. Ein klassisches Beispiel ist die verbliche Stenose im His-Bündel beim "Mops", bei denen es zu einer Verengung und Fibrosierung im His-Bündel kommt.

Test:

Da die Leitungsstörung direkt AV-Knoten lokalisiert ist, welcher stark von Vagusfasern durchzogen ist, spricht der "Wenckebach" gut auf Atropin an. Die empfohlenen Dosis beim Hund ist 0,04 mg/kg SC, IM, oder IV. Ein EKG sollte nach 30 Minuten (10 Minuten bei IV Gabe) gemacht werden. Mit Atropin sollte die Frequenz nun 140-200/min sein, wenn der AV-Block durch einen hohen Vagustonus ausgelöst war.


AV-Block II. Grades, Mobitz Typ II:

AV-Block II. Grades, Mobitz Typ II

Partieller AV-Block mit regelmäßigem oder unregelmäßigem Ausfall von Kammerkomplexen bei stets konstanter PQ-Zeit der übergeleiteten Herzaktionen.

Die Gefährdung des Patienten ist hier größer als bei AV-Block II. Grades, Typ I: Atropin oder Karotisdruckversuch nützen hier nicht, da hier weder Digitalis noch Vagus eine Rolle spielen. Als Dauertherapie bei symptomatischen Patienten ist hier einzig eine Schrittmacherimplantation angesagt. Allerdings haben Patienten mit AV-Blocks II. Grades Typ II selten Symptome und solange dies nicht der Fall ist, muss auch kein Schrittmacher implantiert werden. Diese Patienten sollten aber regelmäßig mittels EKG nachuntersucht werden, da sich ein AV-Block III. Grades entwickeln kann.


AV-Block II. Grades, High grade:

Der AV-Block II. Grades, "high grade" ist ein spezieller Typ, bei dem keine zwei QRS Komplexe hintereinander vorkommen, also so viele Blocks vorhanden sind, daß man nicht beurteilen kann, ob sich das PR-Interval von zwei aufeinander folgenden ORS Komplexen verlängert, bevor ein Block kommt (AV-Block II. Grades, Mobitz Typ I.), oder konstant bleibt (Mobitz Typ II). Dennoch ist das Interval zwischen den P-Wellen und den QRS Komplexen dort, wo man es sehen kann, konstant (sonst wäre es ein AV-Block III. Grades).

Tiere mit einem AV-Block II. Grades, Typ "High grade" sind häufig symptomatisch, d.h. sie haben oft Synkopen, oder zeigen eine deutliche Leistungsschwäche. Auch hier wird routinemässige ein Atropin Test durchgeführt, welcher aber nur selten positiv ausfällt. Die einzige Therapie in solchen Fällen ist eine Herzschrittmacher Implantation.

AV-Block III. Grades:

Totale Blockierung der Vorhof-Kammer-Überleitung. Die P - Wellen werden gar nicht mehr auf die Kammern übergeleitet, der Vorhofsrhythmus ist völlig unabhängig vom Kammerrhythmus.

Der totale AV-Block kann seine Ursache sowohl in einer Überleitungsstörung im AV-Knoten selbst als auch in den Reizleitungsbahnen weiter distal (HIS-Bündel-Block, trifaszikulärer Block) haben.

Im EKG erscheinen P-Welle und QRS-Komplex ohne Zusammenhang. Der Abstand ist also meist unterschiedlich. Die Vorhofwellen haben eine höhere Frequenz als die Kammeraktionen (dies gilt aber auch für AV-Blocks II Grades).

Bei Blockierungen unterhalb des HIS'schen Bündels sind die QRS-Komplexe wegen der abnormen Erregungsleitung im Ventrikel deformiert. Die Kammerfrequenz ist meist kleiner 40/Min und da der Ersatzrhythmus vom Ventrikel kommt, erscheinen die QRS Komplexe weit und bizarr, die T-Wellen sind oft entgegengesetzt den QRS Komplexen:

Liegt die Blockierung höher, so erscheinen die QRS-Komplexe "supraventrikulär" geformt, ihre Frequenz ist meist größer als 40:

Die Kammerschlagfolge ist immer regelmäßig. Dadurch ist der AV-Block III leicht von der Bradyarrhythmie abzugrenzen.

Ursachen: in den meisten Fällen ist beim Tier die Ursache für einen AV-Block dritten Grades unbekannt. In einigen Fällen scheint es eine entzündliche Erkrankung des Leitungssystems zu sein. In solchen Fällen ist gelegentlich eine Perdnisolon Therapie erfolgreich, aber das ist die Ausnahme.

Therapie: in den meisten Fällen muss ein Herzschrittmacher implantiert werden- danach haben die Tiere wieder eine gute, normale Lebensqualität. In seltenen Fällen jedoch kann das Herz an die niedrigen Kammerfrequenzen erstaunlich gut adaptiert sein. Dies gilt besonders für die degenerativen Erkrankungen des Leitungssystems. Die Indikation zur Schrittmacherimplantation ist hier jedoch immer gegeben, wenn die Tiere symptomatisch sind, also Synkopen haben, oder Leistungsschwäche zeigen.

 Weitere Informationen zum EKG:

EKG-Herzachse:
Die Bestimmung der elektrischen Herzachse ist gar nicht so kompliziert. Lesen Sie hier, wozu man dies überhaupt macht und lernen Sie eine einfache und schnelle Methode kennen...
 
Man sollte sich nicht auf die Herzfrequenz Angaben des EKG Gerätes verlassen, da die Geräte oft T-Wellen oder P-Wellen zählen. Lernen Sie hier einige schnelle Methoden zur Herzzfrequenzbestimmung kennen.
 
Ein wichtiger Schritt bei der EKG Analyse ist herauszufinden, welche Art von Rhythmus vorliegt, also ob es sich um einen Sinusrhythmus oder einen anderen Rhythmus handelt.
 
Auch aus der Morphologie der einzelnen EKG Zacken lassen sich wertvolle Rückschlüsse ziehen. Lesen Sie hier mehr dazu.
Extrasystolen gehören zu den häufigen EKG Abnormalitäten. Lernen Sie hier, wie man ventrikuläre von supraventrikulären Extrasystolen unterscheidet und welche Krankheiten diese häufig auslösen.
EKG-Bradyarrythmien
Lesen Sie hier über AV-Blöcke, welche Arten es beim Tier gibt, sowie über andere Bradyarrythmien, wie das Sick-Sinus-Syndrom oder den Vorhofstillstand.

Diese Webseite wurde seit 1.3.2004:

mal besucht.

.