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Information für Tierbesitzer über Perikarderguss (Herzbeutelerguss)

Autoren: Markus Killich und Dr. Gerhard Wess, Dipl. ECVIM-CA

Was ist ein Herzbeutelerguss (Perikarderguss)?

Es handelt sich Ansammlung von Flüssigkeit (z.B. Blut) innerhalb des Herzbeutels. Der Herzbeutel wird auch Perikard genannt. Während der klinischen Untersuchung können eventuell schon Anzeichen hierfür gefunden werden. Hinweise auf einen Perikarderguss lassen sich im Röntgen und EKG erkennen. Das diagnostische Mittel der Wahl ist jedoch der Ultraschall.

Welche Krankheitsanzeichen kann man erkennen?

Hunde mit einem Herzbeutelerguss werden häufig wegen Leistungsschwäche, weil sie kollabiert sind oder weil sich der Bauch mit Flüssigkeit gefüllt hat, vorgestellt. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, meist befällt sie aber Tiere ab mittleren Alter.

Hinweisende Symptome für eine Herzerkrankung sind:

• Appetitverlust

• Kollaps

• vergrösserter Bauchumfang

• beschleunigte Atmung bis hin zur Atemnot

• deutlich nachlassende Spielfreude und Belastbarkeit

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Hier einige Beispiele von Herzultraschall Untersuchungen:

Beispiel Herzultraschall idiopathischer Perikarderguss

Beispiel Herzultraschall eines Herzbasistumors

Beispiel Herzultraschall Hämangiosarkom

Welche Ursachen gibt es?

Über 90 Prozent der Herzbeutel-Ergüsses werden durch eine der folgenden Krankheiten verursacht:

1) idiopathischer Perikarderguss
2) Tumoren des Herzens.

Der Perikarderguss ist bei Katzen im Verhältnis zum Hund selten. Ursachen hier sind:
1) infektiöse Ursachen (z.B. FIP)
2) Tumoren

Was ist ein idiopathischer Perikarderguss?

Idiopathisch bedeutet, dass man für die Erkrankung keine genaue Ursache kennt. Im Falle des idiopathischen Perikardergusses sind entzündliche Prozesse wahrscheinlich, genau weiß man das aber nicht. Diese Art des Ergusses ist häufig bei großen Hunden, v.a. der Deutsche Schäferhund und Golden Retriever sind prädisponiert. Meistens tritt er bei männlichen Tieren mittleren Alters auf. Der Erguss kann über Jahre immer wieder kommen, auch wenn er mittels Punktionen abgezgen wurde. Allerdings tritt in ca 50% der Fälle nach 1-2 Punktionen der Herzbeutelerguss nie wieder auf, die Tiere sind also geheilt. Eine chirurgische Fenestrierung oder Entfernung des Herzbeutels ist die Behandlungsmöglichkeit der Wahl, wenn der Herzbeutelerguss nach 3-4 mal punktieren immer weiter auftritt. Die Prognose ist nach chirurgischer Intervention günstig.

Welche Tumoren des Herzens gibt es?

Kardiale Tumoren sind neben dem idiopathischen Perikarderguss die häufigste Ursache für einen Perikarderguss beim Hund, bei der Katze sind sie selten. Betroffene Tiere sind in der Regel über 6 Jahre alt.

Hämangiosarkome und Herzbasistumore zählen bei Hunden zu den am meisten diagnostizierten Tumoren, daneben treten Mesotheliome auf, welche schwieriger zu diagnostizieren sind..

Das Hämangiosarkom ist ein vom Gefäßsystem ausgehender Tumor, der zusätzlich in Leber, Milz, Lunge und Niere auftreten bzw. metastasieren kann. Häufig betroffene Hunderassen sind der Deutsche Schäferhund sowie der Golden Retriever. Patienten zeigen somit oft auch systemische Krankheitsanzeichen wie Schwäche und reduzierte Futteraufnahme (selten Fieber). Die Therapie gestaltet sich unbefriedigend. Eine Chemotherapie kann versucht werden, diese verzögert den Krankheitsprozess aber nur maximal um einige Monate, eine Heilung ist unmöglich. Wir empfeheln eine Chemotherapie momentan nicht. Die durchschnittliche Überlebenszeit mit einem Hämangiosarkom ist 3-6 Monate.

Ähnlich verhält es sich mit den Herzbasistumoren, auch hier sind die therapeutischen Maßnahmen eng begrenzt bis nicht vorhanden. Diese Tumoren sprechen nicht auf die Gabe von Chemotherapeutika an, und zu einer chirurgischen Intervention kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht geraten werden. Da diese Tumore oft relativ langsam wachsen, sind Überlebenszeiten, je nach Stadium der Diagnose, von bis zu 1-2 Jahren möglich.

Die Prognose von Mesotheliomen ist ebenfalls ungünstig.

Welche Auswirkungen hat ein Perikarderguss?

Kleinere Flüssigkeitsmengen führen zu keiner Beeinträchtigung, nimmt die Menge des Ergusses jedoch zu, kommt es zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Herzfunktion. Das Herz kann sich während der Entspannungsphase nicht richtig ausdehnen und als Folge nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. Dieser Zustand wird als Herztamponade bezeichnet. Er stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar, da das Auswurfvolumen des Herzens jetzt stark reduziert ist, und so eine normale Durchblutung der Organe nicht mehr gewährleistet ist. In diesem Fall muss mittels Punktion des Herzbeutels versucht werden, soviel Flüssigkeit wie möglich zu entfernen.

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Ein Herzbeutelerguss kann nur sicher im Herzultraschall erkannt werden. Zusätzliche Hinweise liefern die klinische Untersuchung, das Röntgen sowie das EKG.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zunächst entscheidet Ihr Kardiologe, ob die Herzfunktion so weit beeinträchtigt ist, dass ein therapeutisches Eingreifen unumgänglich ist. Ist dies der Fall, muss die Flüssigkeit im Herzbeutel schnellstmöglich mittels Punktion (Perikardiozentese) entfernt werden. Eine medikamentelle Behandlung z.B. mit Entwässerungsmedikamenten ist nicht möglich und meist sogar kontraindiziert. Der weitere Behandlungsverlauf ist abhängig von der zugrunde liegenden Krankheit.

Wie wird eine Perikardiozenthese durchgeführt?

Der Kardiologe wird mittels Ultraschall die genaue Lage des Herzens feststellen. Dann wird die Stelle, an welcher der Katheter gelegt werden soll, ausgeschoren und gründlich desinfiziert. Eine Sedation des Tieres kann bei sehr unruhigen Tieren notwendig sein, um Verletzungen durch den Katheter an Herz, Lunge und Gefäßen zu vermeiden. Anschließend wird der Katheter an der vorbereiteten Stelle durch die Brustwand bis in den Herzbeutel vorgeschoben, so dass der Perikarderguss ablaufen kann.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose ist abhängig von der Ursache des Ergusses. Näheres s.o.

 

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