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Übersicht über das Herzmedikament Digitalis, bzw. Digoxin:
Einsatz:

systolische Pumpschwäche, z.B. Dilatative Kardiomyopathie

Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen (von den Vorhöfen ausgehend), wie z.B. Vorhofflimmern.

Wirkungsmechanismus:

Digitalispräparate sind bereits den Chinesen 2000 Jahre vor Christi Geburt bekannt gewesen als Extrakt aus getrockneter Krötenhaut. In Europa kommt Digitalis seit dem 18. Jhdt. zum Einsatz- als Extrakt aus rotem und gelbem (wolligem) Fingerhut (= Digitalis).

Digitalis- Medikamente wirken direkt auf den Herzmuskel und jede Herzmuskelzelle kräftigend (=positiv inotrop). Gleichzeitig kommt es zu einer Ökonomisierung der Herzarbeit, d.h. Digitalispräparate verlangsamen die Herzfrequenz und besitzen antiarrhythmische Effekte, die vor allem zur Kontrolle von supraventrikulären Tachyarrhythmien (wie Vorhofflimmern) eingesetzt werden. Diese Fähigkeit (herzstärkend und antiarrhythmische Effekte) machen die Medikamentengruppen einmalig.

Der genaue Wirkungsmechanismus:

Die Herzglykoside binden an die Magnesium-abhängige Na+/K+-ATPase und blockieren diese teilweise. Unter der Na+/K+-ATPase versteht man ein membranständiges Enzym, das unter Energieverbrauch Na+- und K+-Ionen entgegen ihres Konzentrationsgefälles durch die Zellmembran transportiert. Durch Blockierung dieser so genannten Natrium-Kaliumpumpe wird der Natriumtransport aus der Zelle und der Kaliumtransport in die Zelle gehemmt. Die Folge ist eine Zunahme der Natriumkonzentration und eine Abnahme der Kaliumkonzentration in der Zelle.

Die erhöhte Natriumkonzentration in der Zelle beeinflusst den membranständigen Na+/Ca2+-Austauscher, wodurch sich die Kalziumkonzentration in der Zelle erhöht. Über die genaue Wirkungsweise des Na+/Ca2+-Austauschers gibt es zur Zeit in der Literatur widersprüchliche Angaben.

Die gestiegene Kalziumkonzentration in der Zelle bewirkt eine erhöhte Kraftentwicklung der Herzmuskulatur.

Die erniedrigte Kaliumkonzentration in der Zelle bewirkt eine Verringerung der elektrischen Leitungsgeschwindigkeit der Herzmuskulatur, wodurch sich eine Senkung der Herzfrequenz ergibt.

Das Digoxin ist recht gut wasserlöslich und wird deswegen vom Körper nicht so gut aufgenommen. Es wird über die Niere ausgeschieden und hat daher keine lange Wirkdauer.

Gegenanzeigen:

wenn möglich nicht bei bestehender Niereninsuffizienz einsetzen.

Weitere Gegenanzeigen:

Bei der Gabe von Herzglykosiden sollte keine Störung im Kaliumhaushalt bestehen. Eine Hypo- oder Hyperkaliämie, also eine erniedrigte oder erhöhte Kaliumkonzentration im Blut stellt ebenso eine Gegenanzeige dar.

Eine Hyperkalziämie, also eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut darf ebenfalls nicht bestehen.
Auch bestimmte Herzerkrankungen stellen eine Gegenanzeige dar. Hierbei handelt es sich um Kammertachycardien und hypertrophe obstruktive Kardiomyopathien, um das WPW-Syndrom und den AV-Block 2. und 3. Grades. Bradykarde, also erniedrigte Erregungsbildungs- und Erregungsleitungsstörungen können die Anwendung der Herzglykoside beschränken.

Verabreichunsarten:

Digitalispräparate werden als Tabletten geschluckt; meist sind lebenslange Therapie und genaue Kontrolle notwendig. Die Einnahme sollte immer nach genauer Vorschrift erfolgen, keine Therapie bei Bedarf! Auch eine Unterdosierung der Substanzen ist möglich.

Besondere Kontrolle:

Digitalis Präparate haben eine sehr starke individuelle Wirkungsbreite und sind eines der wenigen Präparate, bei dem öfters der Blutspiegel des Medikamentes (Digoxin- oder Digitoxin- Spiegel) überprüft werden sollte. Auch im EKG können Überdosierungen rechtzeitig entdeckt werden.

Nebenwirkungen:

Meist harmlos: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Bedrohlich: Myokard-Toxizität: langsamer Herzschlag, Rhythmusstörungen, Herzblock im EKG

Elektrolytverschiebungen: Hyperkaliämie, Hyponatriämie, beides verursacht durch die Inhibition der Na-K-ATPase Pumpe.

 Weitere Informationen:

EKG-Seminar:
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