Herzgeräusche bei Hunden und Katzen
Wichtige Informationen für Tierbesitzer
Herzgeräusche sind häufig der erste Hinweis auf eine mögliche Herzerkrankung. Sie werden oft bei einer Routineuntersuchung, beim Impftermin oder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt.
Wichtig ist: Nicht jedes Herzgeräusch bedeutet automatisch einen schweren Herzfehler. Umgekehrt verursacht aber auch nicht jede Herzerkrankung ein deutlich hörbares Geräusch.
Da sich die Ursache eines Herzgeräusches meist nur mit einem Herzultraschall sicher einordnen lässt, sollte ein neu festgestelltes Herzgeräusch sorgfältig abgeklärt werden.
Was sollten Besitzer wissen?
Ein Herzgeräusch ist kein endgültiger Befund, sondern ein Hinweis auf veränderte Blutströmungen im Herzen oder an den großen Gefäßen.
Solche Strömungsgeräusche können harmlos sein, sie können aber auch bei angeborenen oder erworbenen Herzerkrankungen auftreten. Deshalb ist vor allem bei jungen Hunden und Katzen sowie bei älteren Tieren mit neu entdecktem Herzgeräusch eine genaue Untersuchung wichtig.
Wichtig: Nicht jedes Herzgeräusch ist gefährlich.
Ebenso wichtig: Ein relevantes Herzproblem kann ohne Ultraschall oft nicht sicher ausgeschlossen werden.
Was ist Auskultation?
Unter Auskultation versteht man das Abhören von Herz und Lunge mit dem Stethoskop. Sie ist ein zentraler Teil jeder Herz-Kreislauf-Untersuchung.
Ein erfahrener Untersucher kann dabei wichtige Hinweise auf Herzfrequenz, Rhythmus, zusätzliche Herztöne und Herzgeräusche gewinnen. Einige Herzerkrankungen haben so typische Geräusche, dass bereits eine Verdachtsdiagnose möglich ist.
Während des Abhörens sollte immer auch der Puls beurteilt werden. Wenn nicht jede Herzaktion zu einer tastbaren Pulswelle führt, spricht man von einem Pulsdefizit. Das kann auf eine Rhythmusstörung hinweisen.
Wichtige Befunde bei der Auskultation
- abnormale Herzfrequenz, also Bradykardie oder Tachykardie
- unregelmäßiger Herzrhythmus
- veränderte Intensität der Herztöne
- zusätzliche Herztöne
- gespaltene Herztöne
- Herzgeräusche
Herztöne und Herzgeräusche – was ist der Unterschied?
Normale Herztöne entstehen durch das Schließen der Herzklappen. Ein Herzgeräusch ist dagegen ein zusätzliches, abnormales Strömungsgeräusch.
Beim Kleintier hört man normalerweise vor allem zwei Herztöne:
- 1. Herzton (S1): Schluss der Mitral- und Trikuspidalklappe
- 2. Herzton (S2): Schluss der Aorten- und Pulmonalklappe
Zusätzlich können unter bestimmten Umständen ein 3. Herzton (S3) oder 4. Herzton (S4) hörbar sein. Werden neben S1 und S2 zusätzliche Töne gehört, spricht man von einem Galopprhythmus.
Gedämpfte Herztöne können zum Beispiel bei Adipositas, Pleuraerguss, Perikarderguss oder intrathorakalen Massen auftreten. Deutlich wechselnde Lautstärken der Herztöne sprechen häufig für Arrhythmien.
Welche Arten von Herzgeräuschen gibt es?
Man unterscheidet systolische, diastolische und kontinuierliche Herzgeräusche.
Die allermeisten Herzgeräusche in der Kleintierkardiologie sind systolisch.
Systolische Herzgeräusche
Systolische Geräusche werden nach dem ersten Herzton gehört und enden vor dem zweiten Herzton. Sie entstehen häufig bei:
- Mitral- oder Trikuspidalklappeninsuffizienz
- Aortenstenose oder Subaortenstenose
- Pulmonalstenose
- Ventrikelseptumdefekt (VSD)
- weiteren angeborenen Defekten wie Fallot-Tetralogie
Diastolische Herzgeräusche
Diastolische Herzgeräusche sind seltener. Sie beginnen nach dem zweiten Herzton. Typische Ursachen können sein:
- Aortenklappeninsuffizienz
- seltene Mitral- oder Trikuspidalklappenstenosen
Kontinuierliche Herzgeräusche
Ein kontinuierliches Herzgeräusch hört nicht mit dem zweiten Herzton auf, sondern ist in Systole und Diastole vorhanden. Typisch ist dies vor allem für einen persistierenden Ductus arteriosus (PDA).
Wo hört man ein Herzgeräusch am lautesten?
Die Lokalisation des sogenannten Punktum maximum gibt oft wichtige Hinweise auf die Ursache.
Entscheidend ist die Stelle am Brustkorb, an der das Herzgeräusch am lautesten zu hören ist. Zusammen mit Alter, Rasse und der Art des Geräusches kann dies die Verdachtsdiagnose deutlich eingrenzen.
Lokalisation der wichtigsten Herzklappen
P = Pulmonalklappe, A = Aortenklappe, M = Mitralklappe, T = Trikuspidalklappe
- Pulmonal- und Aortenklappe: links vorne, meist im Bereich des 3.–4. Interkostalraums
- Mitralklappe: links apikal, eher weiter hinten, etwa 5.–7. Interkostalraum
- Trikuspidalklappe: rechts, meist im 4. Interkostalraum
Die PABST-Regel
Als Merkhilfe dient die Regel PABST:
Pulmonal – Aorten – Bikuspidal (= Mitralklappe) – Seitenwechsel – Trikuspidal
Häufige Herzgeräusche beim Hund
- Aortenstenose / Subaortenstenose: systolisch vorne links, bei hochgradigen Formen oft schwacher Puls
- Pulmonalstenose: systolisch vorne links
- Persistierender Ductus arteriosus (PDA): kontinuierlich vorne links, oft pochender Puls
- Mitralklappeninsuffizienz: systolisch hinten links
- Trikuspidalklappeninsuffizienz: systolisch hinten rechts
- Ventrikelseptumdefekt (VSD): meist systolisch vorne rechts
- Atriumseptumdefekt (ASD): oft kein typisches Herzgeräusch, manchmal systolisch vorne links über der Pulmonalklappe
Wie werden Herzgeräusche eingestuft?
Die Lautstärke eines Herzgeräusches wird üblicherweise in 6 Grade eingeteilt:
- Grad 1: sehr leise, nur in ruhiger Umgebung nach einiger Zeit hörbar
- Grad 2: leise, aber direkt hörbar
- Grad 3: mittlere Lautstärke
- Grad 4: laut, aber ohne tastbares Schwirren
- Grad 5: sehr laut, mit tastbarem Thrill
- Grad 6: extrem laut, teilweise schon ohne vollen Kontakt zur Brustwand hörbar
Die Lautstärke allein erlaubt allerdings keine sichere Aussage über die genaue Erkrankung.
Besonderheiten bei Katzen
Bei Katzen ist die Zuordnung eines Herzgeräusches allein durch das Abhören oft schwieriger als beim Hund.
Viele Herzgeräusche bei Katzen werden am besten parasternal, also in Sternumnähe, gehört. Selbst für erfahrene Untersucher ist die genaue Zuordnung zu einer bestimmten Klappe oft schwierig.
Deshalb sollte jede Katze mit Herzgeräusch echokardiographisch untersucht werden.
SAM bei der Katze
SAM bedeutet systolic anterior motion des vorderen Mitralklappensegels. Dieses Geräusch tritt besonders häufig im Zusammenhang mit einer hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) auf.
Durch die veränderte Anatomie des linken Ventrikels kommt es während der Systole zu einer dynamischen Einengung des linksventrikulären Ausflusstraktes und oft zusätzlich zu einer Mitralinsuffizienz. Das Geräusch kann bei höherer Herzfrequenz deutlicher hörbar sein und bei niedriger Herzfrequenz wieder verschwinden.
DR VOTO bei der Katze
DR VOTO bedeutet dynamic right ventricular outflow tract obstruction, also eine dynamische Einengung des rechten Ausflusstrakts.
Dabei handelt es sich oft um ein eher gutartiges, dynamisches Geräusch, das vor allem bei hoher Herzfrequenz hörbar ist. Es kann isoliert vorkommen, gelegentlich aber auch im Zusammenhang mit anderen kardialen oder systemischen Problemen.
Wann sollte ein Herzgeräusch weiter abgeklärt werden?
Im Zweifel lieber frühzeitig abklären.
- bei jedem neu entdeckten Herzgeräusch im Welpen- oder Kittenalter
- bei Herzgeräuschen im Rahmen von Zuchtuntersuchungen
- bei älteren Hunden oder Katzen mit neu aufgetretenem Herzgeräusch
- bei Symptomen wie Husten, Atemnot, Leistungsschwäche, Kollaps oder erhöhter Atemfrequenz
- bei Katzen grundsätzlich, da die Auskultation allein die Ursache oft nicht sicher einordnet
Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
Die wichtigste Untersuchung ist der Herzultraschall mit Doppler. Je nach Fragestellung können zusätzlich sinnvoll sein:
Hörbeispiele von Herzgeräuschen
Am besten hören Sie die Beispiele mit Kopfhörern an.
Weitere Hörbeispiele mit Phonokardiogrammen
Für Studenten, Tierärzte und besonders interessierte Besitzer haben wir eine eigene didaktische Seite mit Ton, Video und visualisierten Phonokardiogrammen erstellt: Herzgeräusche – Beispiele mit Phonokardiogrammen
