Informationen zur Pulmonalstenose bei Hunden und Katzen

Was ist eine Pulmonalstenose?

Eine angeborene Verengung im Bereich der Pulmonalklappe oder des rechtsventrikulären Ausflusstrakts

Schematische Darstellung einer Pulmonalstenose

Unter einer Pulmonalstenose versteht man eine Verengung im Bereich der Pulmonalklappe oder des rechtsventrikulären Ausflusstrakts. Die Pulmonalklappe ist eine von vier Herzklappen und reguliert den Blutfluss vom rechten Ventrikel in die Pulmonalarterie.

Durch die Verengung muss das rechte Herz gegen einen erhöhten Widerstand pumpen. Je nach Schweregrad kann dies zu einer Verdickung des rechten Herzmuskels, zu Rhythmusstörungen und in fortgeschrittenen Fällen zu klinischen Beschwerden führen.

Was ist die Ursache einer Pulmonalstenose?

Pulmonalstenose an der Pulmonalklappe Die häufigste Ursache einer Pulmonalstenose beim Hund ist eine angeborene Fehlbildung der Pulmonalklappe. Die Klappensegel können verdickt, verklebt oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein.

Dadurch wird der Blutfluss aus dem rechten Ventrikel in die Lungenarterie behindert. Das rechte Herz muss einen höheren Druck aufbauen, um Blut durch die Engstelle zu pumpen.

Welche Formen einer Pulmonalstenose gibt es?

Eine Verengung kann auf unterschiedlicher Höhe des rechtsventrikulären Ausflusstrakts auftreten.

Bei der valvulären Form können unterschiedliche morphologische Typen vorliegen. Klinisch wichtig ist, ob eher eine kuppelartige, noch bewegliche Klappe oder eine ausgeprägte Klappendysplasie mit dicken, schlecht beweglichen Klappensegeln besteht. Dies beeinflusst den möglichen Erfolg einer Ballonierung.

Besondere Form bei manchen Rassen

Bei Boxern und Englischen Bulldoggen kann zusätzlich eine spezielle anatomische Variante vorkommen, bei der eine abnorm verlaufende Koronararterie die Pulmonalarterie umschlingt. Diese Form ist besonders wichtig, weil sie die Wahl und Sicherheit eines Eingriffs beeinflussen kann.

Welche Rassen sind häufiger betroffen?

Grundsätzlich kann eine Pulmonalstenose bei jeder Hunde- oder Katzenrasse vorkommen. Bei Hunden wird sie jedoch bei einigen Rassen gehäuft diagnostiziert.

Häufiger betroffene Hunderassen:

Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Terrier, Chihuahua, Zwergschnauzer, Labrador Retriever, Mastiff, Chow Chow, Neufundländer, Basset Hound, Cocker Spaniel, Beagle, Samojede

Welche Krankheitsanzeichen können auftreten?

Viele betroffene Tiere wirken als Welpen zunächst unauffällig. Nicht selten fällt die Erkrankung erst bei einer Routineuntersuchung durch ein Herzgeräusch auf. Symptome treten häufiger bei mittel- bis hochgradigen Stenosen oder bei zusätzlichen Herzproblemen auf.

In fortgeschrittenen Stadien kann es zu Rechtsherzversagen mit Aszites, Pleuralerguss oder peripheren Ödemen kommen.

Wie wird eine Pulmonalstenose entdeckt?

Der erste Hinweis ist häufig ein Herzgeräusch, das bei einer Impfung oder allgemeinen Untersuchung auffällt. Typisch ist ein systolisches Geräusch vorne links an der Herzbasis.

Nicht jedes Herzgeräusch beim Welpen bedeutet automatisch eine schwere Fehlbildung. Dennoch sollte jedes anhaltende Herzgeräusch weiter abgeklärt werden, um angeborene Herzerkrankungen nicht zu übersehen.

Typisches Herzgeräusch bei Pulmonalstenose (PS)

Bei der Pulmonalstenose hört man typischerweise ein systolisches Herzgeräusch mit Punktum maximum vorne links im Bereich der Herzbasis.

Das Phonokardiogramm zeigt ein systolisches Auswurfgeräusch, wie es für eine Pulmonalstenose typisch ist. Das Geräusch liegt zwischen dem ersten und zweiten Herzton und wird typischerweise vorne links an der Herzbasis am lautesten gehört.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die wichtigste Untersuchung zur Diagnosestellung und Schweregradeinschätzung ist der Herzultraschall.

Hinweise können bereits im EKG oder im Röntgenbild auftreten. Die entscheidende Untersuchung ist jedoch die Echokardiographie mit Doppler.

Damit lässt sich die Engstelle darstellen, ihre Auswirkung auf das rechte Herz beurteilen und der Druckgradient über der Stenose messen.

2D-Herzultraschall bei Pulmonalstenose

Im zweidimensionalen Ultraschall kann der Kardiologe typische Veränderungen des rechten Herzens erkennen. Da das rechte Herz gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten muss, entwickelt sich oft eine konzentrische Hypertrophie des rechten Ventrikels.

Zusätzlich können unter anderem folgende Veränderungen sichtbar sein:

Für die Prognose und die Therapieplanung ist außerdem wichtig, ob eine ausgeprägte Klappendysplasie, eine Anulus-Hypoplasie oder weitere anatomische Besonderheiten vorliegen.

Farbdoppler und Blutflussgeschwindigkeit

Im Farbdoppler erkennt man den beschleunigten und verwirbelten Blutfluss durch die Engstelle. Typisch sind Mosaikfarben, die auf turbulenten Fluss hinweisen.

Über die gemessene Flussgeschwindigkeit kann mithilfe der Bernoulli-Gleichung der Druckgradient über der Stenose berechnet werden.

Einteilung des Schweregrades

Der Schweregrad wird in der Regel echokardiographisch anhand des Druckgradienten bestimmt.

Leichtgradig: 30–50 mmHg

Mittelgradig: 50–80 mmHg

Hochgradig: über 80 mmHg

Hunde mit leichtgradiger Pulmonalstenose haben meist eine normale Belastbarkeit und Lebenserwartung. Bei hochgradigen Stenosen ist das Risiko für klinische Symptome, Synkopen und ein vorzeitiges Versterben deutlich erhöht.

Wie wird eine Pulmonalstenose behandelt?

Je früher eine relevante Pulmonalstenose erkannt und bei Bedarf behandelt wird, desto besser sind die Chancen, sekundäre Veränderungen am Herzen zu begrenzen.

Bei einer hochgradigen Pulmonalstenose wird in der Regel ein Eingriff empfohlen. In vielen Fällen erfolgt die Behandlung heute minimalinvasiv mittels Ballonierung der Pulmonalklappe beziehungsweise Ballonvalvuloplastie.

Auch bei mittelgradigen Stenosen kann ein Eingriff sinnvoll sein, insbesondere wenn bereits zusätzliche Belastungszeichen oder eine relevante Trikuspidalklappeninsuffizienz vorliegen.

Ausführliche Informationen zur Behandlung finden Sie hier: Ballonierung der Pulmonalklappe bei Pulmonalstenose

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Schweregrad, von der anatomischen Form der Stenose und vom Vorliegen zusätzlicher Herzveränderungen ab. Leichtgradige Formen haben häufig eine gute Langzeitprognose.

Bei mittel- bis hochgradigen Stenosen ist eine kardiologische Überwachung wichtig. Bei geeigneten Patienten kann eine Ballonierung die Druckbelastung des rechten Herzens deutlich reduzieren.

Was kostet eine Ballonierung?

Die Kosten für eine Ballonierung der Pulmonalstenose liegen in München an der Kleintierklinik der LMU ungefähr bei ca. 2.000 Euro und umfassen in der Regel den stationären Aufenthalt, die Narkose und den Eingriff.

Je nach individuellem Fall, Voruntersuchungen und Materialbedarf können die tatsächlichen Kosten abweichen.

Weiterführende Informationen