Sehr geehrtes Team der Tierkardiologie,
bei unserem Kater Joschi (15 Jahre, 5,5 kg, Britisch Kurzhaar) wurde Mitte November 2025 eine HCM im Endstadium diagnostiziert. Seine Symptome waren damals eine sehr stark pumpende Atmung und eine erhöhte Atemfequenz (32 Atemzüge/min). Daraufhin waren wir in der Tierklink im Notdienst vorstellig. Es zeigte sich ein hochgradiger Erguss von Lymphflüssigkeit im Bauchraum, welche vor Ort punktiert wurde. Da die diensthabende Ärztin jedoch nicht spezialisiert war, ließ sie lediglich 100ml Flüssigkeit ab. Er bekam 20mg Furosemid gespritzt und zu Hause auch noch einmal 20mg in Tablettenform. Danach folgte die Dauertherapie mit 3x täglich 10mg Furosemid, unter der die restliche Flüssigkeit innerhalb von 2 Wochen beseitigen werden konnte. Auch der sich später im Ultraschall darstellende ggr. Perikarderguss verschwand unter der entwässernden Therapie und wir hatten die Dosierung der Furosemidgabe auf 2x 10mg und 1x 2,5mg im Dezember reduziert.
Bei der Ultraschall Untersuchung des Herzens wurden Arrhythmien festgestellt (siehe unten). Das anschließende EKG zeigte Extra-Systolen und Vorhofflimmern. Darauf hin bekam Joschi seit Ende November 2025 zuerst 2x täglich 5mg Sotalol, nach einer Woche wurde die Dosis auf 2x täglich 10mg gesteigert. Die Rhythmusstörungen stellten sich daraufhin im Ultraschall besser dar, ich hatte jedoch den Eindruck, dass er immer ca 1 Stunde nach der Gabe es Medikaments schwer atmete. Seit Anfang Januar wurde seine Atmung wieder schlechter und wir erhöhten die Furosemidgabe wieder auf 3x tägl. 10mg. Dies brachte jedoch keine Besserung, auch die Erhöhung auf insgesamt 40mg Furosemid ab Mitte Januar brachte keine Besserung, so dass er vor 2 Wochen erneut punktiert wurde (150ml Chylus). Die Dosierung von Furosemid wurde nochmal auf 42,5 mg/d erhöht ohne Verbesserung der Atmung, so dass nach nur 10 Tagen bereits wieder punktiert werden musste (160ml Chylus).
Das Sotalol habe ich bereits in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin reduziert, so dass Joschi nur noch 2x täglich 5mg bekommt (im Ultraschall war die Ärztin aber mit dem Herzen soweit "zufrieden"). Soweit ich mich bisher in das Thema einlesen konnte wäre Sotalol doch im Endstadium des Herzversagens kontraindiziert oder habe ich dies falsch verstanden? Gäbe es ggf ein anderes Medikament welches Sie empfehlen würden? Ich habe den Verdacht, dass das Sotalol das Herz so verlangsamt, dass sich die Flüssigkeit in den Bauchraum staut, wäre dies möglich?
Ich muss dazusagen, das Joschis Blutwerte (Nierenwerte) bei der letzten Untersuchung (Blutbild vom 27.11.2025) äußerst schlecht waren
CREA 3,2 mg/dL
UREA 90 mg/ dL
GLOB 5,4 g/dL
ALT 170 U/L
Kalium 3,5 mmol/L
Diese werden sich vermutlich unter der gesteigerten entwässernden Therapie noch weiter verschlechtern (Ergebnis steht aus), daher hat die behandelnde Ärztin auch Bedenken die Entwässung bspw auf Thorasemid umzustellen oder mit Furosemid noch weiter hoch zu gehen.
Aktuelle Medikation:
Furosemid 15mg - 12,5mg - 15 mg
Sotalol 5mg - 0 - 5mg
Clopidogrel 0 - 0 - 12mg
Ergebnis Ultraschall 18.11.2025 (EKG und Doppleruntersuchung) vor Sotalol-Gabe (nur 3x täglich 10mg Furosemid)
Herzmophologie
Linker Ventrikel (LV): 5,5-6,2mm
Linkes Atrium (LA): 20mm
LA/AO: 2,21
Rechter Ventrikel (RV): obb
Rechtes Atrium (RA): 16mm
Systemische Funktion: gut
Doppelechokardiographie:
Mitralklappe: obb
Trikuspidalklappe: obb
Pilmonalarterie: obb Vmax 0,52 m/s
Aorta: obb Vmax 1,2 m/s
Herzfequenz 322 bpm
Im EKG Vorhofflimmern mit einzelnen VES
Für Rückfragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie sich die Zeit nehmen sich mit meinem Fall zu beschäftigen.
Herzliche Grüße
Christine Kaiser mit Joschi
HCM im Endstadium (Chylothorax durch Sotalol)
Moderator: j.schöbel
-
Joschi2010
- Beiträge: 1
- Registriert: Mi Feb 11, 2026 7:40 am
-
j.friederich
- Beiträge: 262
- Registriert: Di Jan 08, 2019 7:18 am
Re: HCM im Endstadium (Chylothorax durch Sotalol)
Guten Tag Frau Kaiser,
es tut uns leid von Joschis Geschichte zu hören.
Sotalol hat zwei verschiedene Wirkmechnismen. Einerseits wirkt es als Beta-Blocker, wodurch die Herzfrequenz gesenkt werden kann. Andererseits wirkt es als Kalium-Kanal-Blocker, was sehr hilfreich bei ventrikulären Arrhythmien ist.
Ziel der Therapie von Vorhofflimmern ist es, die Herzfrequenz in einen niedrigen Bereich zu bringen, mit denen die Patienten gut zurecht kommen (ca. 200/min bei der Katze). Laut dem Befund lag die Frequenz bei Ihrer Katze bei 322/min. Allerdings liegt auch eine schwere Herzerkrankung vor und wenn gerade wieder ein Rückstau in die Lunge stattfindet, ist eine hohe Herzfrequenz sogar nötig, um einen guten Herzauswurf zu gewährleisten.
Wenn also gerade ein akutes Lungenödem vorliegt, sollte die Entwässerung angepasst werden und die Herzfrequenz sinkt dadurch von alleine. Falls Furosemid als Entwässerung nicht ausreicht, kann eine stärkere Wirkung mit Torasemid erreicht werden. Wichtig ist dabei das klinische Bild der Katze (vor allem die Atmung). Die Nierenfunktion wird sich dadurch eventuell verschlechtern, aber in den seltensten Fällen sind die Patienten dadurch wirklich beeinträchtigt.
Wenn die Katzen gut eingestellt sind, aber die Herzfrequenz immer noch hoch ist, dann kann man versuchen, die Frequenz medikamentell zu senken. Bei der Katze nimmt man dafür gerne Sotalol (vor allem wenn gleichzeitig ventrikuläre Rhythmusstörungen vorliegen), es kann aber auch Diltiazem gegeben werden. Es gibt momentan aber keine Studie, die diese Medikamente bei Katzen mit Vorhofflimmern beurteilt hat.
Ob ein Antiarrhythmikum wirklich notwendig ist, um die Herzfrequenz Ihrer Katze zu senken oder ob dies vielleicht alleine durch eine Anpassung der Entwässerung möglich ist, obliegt allerdings der Beurteilung Ihrer behandelnden Kardiologin.
es tut uns leid von Joschis Geschichte zu hören.
Sotalol hat zwei verschiedene Wirkmechnismen. Einerseits wirkt es als Beta-Blocker, wodurch die Herzfrequenz gesenkt werden kann. Andererseits wirkt es als Kalium-Kanal-Blocker, was sehr hilfreich bei ventrikulären Arrhythmien ist.
Ziel der Therapie von Vorhofflimmern ist es, die Herzfrequenz in einen niedrigen Bereich zu bringen, mit denen die Patienten gut zurecht kommen (ca. 200/min bei der Katze). Laut dem Befund lag die Frequenz bei Ihrer Katze bei 322/min. Allerdings liegt auch eine schwere Herzerkrankung vor und wenn gerade wieder ein Rückstau in die Lunge stattfindet, ist eine hohe Herzfrequenz sogar nötig, um einen guten Herzauswurf zu gewährleisten.
Wenn also gerade ein akutes Lungenödem vorliegt, sollte die Entwässerung angepasst werden und die Herzfrequenz sinkt dadurch von alleine. Falls Furosemid als Entwässerung nicht ausreicht, kann eine stärkere Wirkung mit Torasemid erreicht werden. Wichtig ist dabei das klinische Bild der Katze (vor allem die Atmung). Die Nierenfunktion wird sich dadurch eventuell verschlechtern, aber in den seltensten Fällen sind die Patienten dadurch wirklich beeinträchtigt.
Wenn die Katzen gut eingestellt sind, aber die Herzfrequenz immer noch hoch ist, dann kann man versuchen, die Frequenz medikamentell zu senken. Bei der Katze nimmt man dafür gerne Sotalol (vor allem wenn gleichzeitig ventrikuläre Rhythmusstörungen vorliegen), es kann aber auch Diltiazem gegeben werden. Es gibt momentan aber keine Studie, die diese Medikamente bei Katzen mit Vorhofflimmern beurteilt hat.
Ob ein Antiarrhythmikum wirklich notwendig ist, um die Herzfrequenz Ihrer Katze zu senken oder ob dies vielleicht alleine durch eine Anpassung der Entwässerung möglich ist, obliegt allerdings der Beurteilung Ihrer behandelnden Kardiologin.
Dr. Jana Friederich
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München