DCM B2 und Prostata

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Moderator: j.schöbel

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Antoby
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DCM B2 und Prostata

Beitrag von Antoby »

Unser Maremma-Mischling Toby, unkastriert, 3 Jahre alt, 35 kg, wurde kürzlich mit DCM Stadium B2 diagnostiziert. Er nimmt Pimobendan 10 mg seit letzen Freitag (20.03.26). Ich bitte Sie um Ihre fachliche Einschätzung.
Da er ein Herdenschutzhund ist, ist er Fremden gegenüber (und manchmal auch uns gegenüber) sehr scheu und unfreundlich. Wir haben ihn notfallmäßig zu einem anderen Tierarzt gebracht, da sein Urin sehr dunkel und blutig war. Dies war nicht völlig unerwartet, da wir zuvor bereits schwache rosa Flecken auf dem Boden gefunden hatten. Er wurde sofort mit Antibiotika gegen eine Blasenentzündung mit Verdacht auf Struvitkristalle behandelt. Später stellte sich jedoch heraus, dass er einen sehr hohen CPSE-Wert hat (die Urin- und Blutwerte sind beigefügt). Zusätzlich wurde ein Herzgeräusch festgestellt, und uns wurde empfohlen, weitere Untersuchungen durchzuführen. Die Diagnose habe ich kopiert. Er geht gern spazieren und ist sehr lebhaft.
Er wurde hauptsächlich mit Trockenfutter gefüttert (Wolfsblut, Platinum, Almo Nature HFC Schwein, Almo Nature Lachs). Einige davon waren getreidefrei, und ich frage mich nun, ob wir ihm damit geschadet haben.
Das Problem ist, dass wir seine Prostata noch nicht untersucht haben und angesichts seiner Herzerkrankung nicht wissen, ob eine Kastration infrage kommt. Eine chemische Kastration wäre auch möglich, aber wir kennen die Ursache des hohen CPSE-Werts der Prostata nicht.

Befunde von Echokardio.
Die Mitralklappe zeigte sich deutlich insuffizient mit einer Regurge- Geschwindigkeit von bis zu 5,47m/s wobei an den Mitralklappensegel keine deutlichen Verdickungen bestanden. Auch die Aortenklappe wies eine ganz feine Insuffizienz auf mit einer maximalen Rückflussgeschwindigkeit von bis zu 1,22m/s entsprechend 5,91mmHg.
Auffällig waren weiterhin die deutlich erhöhten Werte in der Volumenabschätzung der linken Kammer nach Simpson (SMOD) von im der Längsachsenebene von rechts 124,65/60,52ml/m² und von links im Zweikammerblick von 176,14/82,60ml/m². Diese zum Teil sehr deutlich erhöhten Werte wurden begleitet von einem linksventrikulären Kammerdiameter, der diastolisch im Absolutwert noch im oberen Normbereich lag, sich jedoch in seinem normalisierten Wert mit 1,93 bereits über dem Grenzwert von 1,7 befand. In der Systole lag der linksventrikuläre Innendiameter deutlich zu hoch, was für eine deutlich verminderte Kontraktilität des linken Ventrikels sprach. Das linke Atrium war im Absolutwert in der Kurzachse leicht über grenzwertig, in der Längsachse normal, sowohl im Absolutwert als auch im normalisierten Wert, und das Verhältnis von linker Vorkammer zur Aorta war in beiden Ebenen unauffällig. Ein Sehnenfädchen zwischen dem posterioren Papillarmuskel und dem interventrikulären Septum wurde als Zufallsbefund festgestellt, wobei möglicherweise auch hierdurch der absolute diastolische Diameter des linken Ventrikels noch im Rahmen gehalten wurde, gegenüber den deutlich erhöhten SMOD-Parametern.
Die Untersuchungsergebnisse sprachen für eine dilatative Kardiomyopathie (DCM) mit verminderter Kontraktilität und einer Dehnung des Klappenringes mit sekundären Insuffizienzen der Mitral- und Aortenklappe, Stadium B2, wobei die Differentialdiagnose einer linksherzseitigen Volumenüberladung sekundär zu der Mitralklappeninsuffizienz nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.
Zusätzlich fiel bei der Untersuchung eine Umfangsvermehrung der Herzbasis im posterioren Aortenbulbusbereich auf von in der Längsachsenebene 41,0 x 8,6 mm, in der Kurzachsenebene 25,2 x 4,0 mm, und von links im Fünfkammerblick 29,7 x 10,4 mm. Umfangsvermehrungen der Herzbasis, termiologisch unter den Begriff Herzbasistumore fallend, sind bei Hunden keine seltenen Herzbefunde. Während des Lebens sind sie einer Beprobung kaum oder nur sehr schwer zugänglich, da sie sich in der Nähe der Herzvorkammern und der großen Gefäße befinden. Statistisch gesehen handelt es sich in der überwiegenden Mehrheit um gutartige Zubildungen, die wenn überhaupt dann eher langsam wachsen und durch die es nur selten zu einer merklichen Beeinträchtigung der Hämodynamik kommt. Insofern werden sie normalerweise weiter beobachtet. Bislang lagen die Maximalgeschwindigkeiten im linken und rechten Ausflusstrakt zwar im leicht erhöhten, jedoch noch nicht im stenotischen Bereich; die Maximalgeschwindigkeit im rechtsventrikulären Ausflusstrakt war bei 1,60 m/s, und im linksventrikulären Ausflusstrakt bei 1,81 m/s.
Als Zufallsbefund wurde ein Sehnenfädchen im linken Ventrikel zwischen dem posterioren Papillarmuskel und dem interventrikulären Septum dargestellt.
Rechtsherzseitig wies die Trikuspidalklappe eine feine Insuffizienz mit einer Regurge- Geschwindigkeit von bis zu 2,27m/s entsprechend 20,65mmHg auf, welche keinen Hinweis für eine pulmonäre Hypertonie ergab.
Diagnosen: Dilatative Kardiomyopathie. Mitralklappeninsuffizienz. Minimale Aortenklappeninsuffizienz. Herzbasistumor. Sehnenfädchen. Trikuspidalklappeninsuffizienz.
j.friederich
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Re: DCM B2 und Prostata

Beitrag von j.friederich »

Guten Tag,

wir führen im Rahmen dieses Forums leider keine Fremdbefundung durch.
Was man allerdings sagen kann, ist, dass es mehrere Ursachen für eine reduzierte systolische Funktion (Pumpleistung) gibt. Die genetisch bedingte Dilatative Kardiomyopathie (DCM) kommt vor allem bei großen Rassen vor. In diesem Fall ist die Erkrankung progressiv und wird sich im Verlauf nicht verbessern.
Eine Differentialdiagnose ist eine nutritiv-bedingte systolische Dysfunktion, die vor allem durch Taurinmangel, aber neuerdings auch durch getreidefreie Fütterung verursacht werden kann. Daher raten wir, den Taurinwert im Blut zu bestimmen (Blut gekühlt abnehmen, direkt bearbeiten und gekühlt versenden!) und auf eine getreidehaltige Fütterung ohne Hülsenfrüchte und mit Taurin umzustellen. In diesem Fall kann sich das Herz wieder verbessern.
Eine weitere Ursache ist eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung). Hierfür wäre der kardiale Biomarker Troponin I (cTnI) deutlich erhöht und hilfreich für eine Einschätzung. Sollte dies der Fall sein, kann nach möglichen Erregern gesucht und antibakteriell therapiert werden. Auch hier kann sich das Herz wieder verbessern.
Wir bitten Sie dieses Ursachen mit ihrem Kardiolog*in zu besprechen und wünschen Ihnen und Ihrem Hund alles Gute!
Dr. Jana Friederich
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München
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