Home > Studenten > EKG > EKG Diagnostik: Extrasystolen
Rhythmus Diagnostik:

Der erste Schritt ist zu ermitteln, ob ein normaler Sinusrhythmus vorliegt (jede P-Welle ist von einem QRS Komplex gefolgt), oder ob ein ventrikulärer oder supraventrikulärer Rhythmus vorliegt.

Zudem ist es wichtig zu ermitteln, ob etwa QRS Komplexe zu früh kommen- also Extrasystolen vorliegen.

Hier unterscheidet man, ob es sich um Ventrikuläre Extrasystolen (engl: premature ventricular complexes = PVC) oder Supraventrikuläre Extrasystolen (engl: premature atrial or supraventricular complexes = APC) handelt. Dies ist von Bedeutung, da man für die verschiedene Extrasystolen verschieden Differentialdiagnosen hat und auch unterschiedliche Therapien einleitet.

Supraventrikuläre Extrasystolen= Vorhofextrasystolen:

Nicht aus den Ventrikeln ausgehende Extrasystolen heterotopen (also nicht aus dem Sinusknoten stammenden) Ursprungs. Supraventrikuläre Extrasystolen sind vorzeitig einfallende Erregungen aus den Vorhöfen, dem AV-Knoten oder dem His-Bündel.

Supraventrikuläre Extrasystolen sind gekennzeichnet durch:

  • Form ähnlichen wie ein normaler Kammerkomplex (QRS-Komplex ist nicht deformiert)
  • zu frühes Auftreten, im Gegensatz zum normalen Rhythmus
  • gelegentlich P-Wellen vor diesen Extrasystolen (kann aber z.B. in T-Welle des vorherigen Komplexes versteckt sein oder fehlen)

Supraventrikuläre Extrasystolen aus der Nähe des Sinusknoten haben ein kaum unterschiedliches P.

Supraventrikuläre Extrasystolen aus dem Bereich des AV-Knotens haben bei retrograder Vorhofdepolarisation ein dem QRS-Komplex vorangehendes oder darin untergehendes negatives P.

Supraventrikuläre Extrasystolen aus dem Bereich des His-Bündels werden in der Regel retrograd blockiert und zeigen daher keine P- Welle, der QRS-Komplex ist schmal und kann leicht deformiert sein.

Vorhofextrasystolen, besonders wenn sie gehäuft auftreten, können Auslöser von Vorhoftachykardien, Vorhofflattern oder Vorhofflimmern sein.

Vorkommen:

meist wenn einer der Vorhöfe vergrößert ist, also z.B. mit Mitralklappen-Insuffizienz, Trikuspidalklappen Erkrankungen, aber auch bei Myokarderkrankungen mit sekundärem großem Vorhof.

Therapie: Einsatz von Antiarrhythmika, je nach Anzahl und zugrundeliegender Erkrankung.

Ventrikuläre Extrasystolen:

Vorzeitiger Einfall einer vom Ventrikelmyokard oder dem Reizleitungssystem des Ventrikels ausgehenden ektopen Erregung, im EKG als deformierter, verbreiterter QRS-Komplex sichtbar Abkürzung Ventrikuläre Extrasystole = VES (engl.: premature ventricular complexes = VPC)

Form: die Reizleitung im Myokard verläuft 2 bis 4-mal langsamer als über das Reizleitungssystem, daher sind VES verbreitert, die Erregungswelle nimmt einen andern Weg als normal vom AV-Knoten kommende Erregungen, daher sind VES deformiert

EKG-Veränderungen:

  • zu frühes Auftreten, im Gegensatz zum normalen Rhythmus
  • breiter als ein normaler QRS Komplex
  • bizarr aussehende Komplexe
  • T-Welle ist häufig entgegengesetzt zum ORS Komplex
  • Keine P-Wellen

Einige Definitionen:

  • gleiches Aussehen = gleicher Ursprungsort = monomorphe VES
  • verschiedenes Aussehen = verschiedener Ursprung = polymorphe VES

VES können vereinzelt auftreten, oder in Gruppen (2er = Couplet, 3er = Triplet), ab 4 hintereinander spricht man von ventrikulärer Tachykardie. Umso schneller die Frequenz ist, desto gefährlicher sind VES. Gleiches gilt für das Auftreten von Couplets oder Triplets.

  • Bigeminus: 1 VES, 1 Normalschlag
  • Trigeminus 2 VES, 1 Normalschlag

2:1 Extrasystolie: 2 Normalschläge, 1 VES; 3:1 Extrasystolie; 4:1 Extrasystolie

Gefahr: früh einfallende VES (aufsteigende T-Welle) können Kammerflimmern auslösen ( = R auf T-Phänomen)

Hämodynamische Bedeutung: (früh einfallende) Extrasystolen lassen die Kammer ohne ausreichende Füllung kontrahieren und erzeugen kaum Auswurf, besonders bei eingeschränkter linksventrikulärer Funktion können sie sehr bedeutsam sein

Vorkommen:

Hunde: bei Hunde können VES im Zusammenhang mit vielen systemischen erkrankungen auftreten, wie z.B. Pankreatitis, Prostataerkrankungen, Sepsis, das klassische Beispiel aber ist die Magendrehung.

Daneben gibt es aber auch Herzerkrankungen, die zu VES führen. Hier sind vor allem die Myokarderkrankungen zu nennen, wie Dilatative Kardiomyopathie, Boxer Kardiomyopathie, Dobermann Kardiomyopathie.

Therapie: wenn VES im Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen auftreten, müßen diese nur behandelt werden, wenn die Herzfrequenz sehr schnell (>240/min) sind, ansonsten ist keine Therapie nötig. Dies gilt auch für Magendrehungen!!!

Wenn die Ursache kardial ist, werden Antiarrhythmika entsprechend der zugrundeliegenden erkrankung eingesetzt. Beispiele sind Beta-blocker, Mexitil, Sotalol etc.

Weiter zum nächsten Punkt: Rhythmusstörungen- AV-Block und Co

 Weitere Informationen zum EKG:

EKG-Herzachse:
Die Bestimmung der elektrischen Herzachse ist gar nicht so kompliziert. Lesen Sie hier, wozu man dies überhaupt macht und lernen Sie eine einfache und schnelle Methode kennen...
 
Man sollte sich nicht auf die Herzfrequenz Angaben des EKG Gerätes verlassen, da die Geräte oft T-Wellen oder P-Wellen zählen. Lernen Sie hier einige schnelle Methoden zur Herzzfrequenzbestimmung kennen.
 
Ein wichtiger Schritt bei der EKG Analyse ist herauszufinden, welche Art von Rhythmus vorliegt, also ob es sich um einen Sinusrhythmus oder einen anderen Rhythmus handelt.
 
Auch aus der Morphologie der einzelnen EKG Zacken lassen sich wertvolle Rückschlüsse ziehen. Lesen Sie hier mehr dazu.
Extrasystolen gehören zu den häufigen EKG Abnormalitäten. Lernen Sie hier, wie man ventrikuläre von supraventrikulären Extrasystolen unterscheidet und welche Krankheiten diese häufig auslösen.
EKG-Bradyarrythmien
Lesen Sie hier über AV-Blöcke, welche Arten es beim Tier gibt, sowie über andere Bradyarrythmien, wie das Sick-Sinus-Syndrom oder den Vorhofstillstand.

Diese Webseite wurde seit 1.3.2004:

mal besucht.

.