periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Hier bieten wir momentan Hilfe bei Ihren kardiologischen Fällen an

Moderator: s.hertzsch

KaterKasimir
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periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon KaterKasimir » Di Apr 10, 2018 6:18 am

Hallo liebes Spezialistenteam,

gestern wurde von einem Top-Kardiologen bei meinem Kater Nepomuk, 5 1/2 Jahre alt eine periphere Pulmonalarterienstenose diagnostiziert.
Der detaillierte Bericht liegt mir aber noch nicht vor.

Die Literatur gibt im Vet-Bereich nichts dazu her.
In der Humanmedizin werden interventionelle Therapiemaßnahmen (Ballondilation und Stentimplantation) und die chirurgische Therapie (Patcherweiterung) gelistet.
Allerdings sind - wenn ich unseren Kardiologen richtig verstanden habe - die o.g. Maßnahmen in der Vetmedizin aktuell nicht möglich.
Eine medikamentöse Therapie ist sowohl in Human- als auch Vet-Medizin nicht möglich.

Sind bei Ihnen Fälle von peripherer Pulmonalarterienstenose bei Katzen bekannt, wie werden die Tiere behandelt und welche Lebenserwartungen sind realistisch?

Herzlichen Dank und viele Grüße
Anett

Kardio
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon Kardio » Mi Apr 25, 2018 1:17 pm

Hallo,

bei der peripheren Pulmonalarterienstenose handelt es sich bei Katzen tatsächlich um eine äußerst selten auftretende Krankheit. Dies führt leider auch dazu, dass es hierzu in der Veterinärmedizin bisher wenig Erfahrungen gibt, was eine medikamentelle oder chirurgische Therapie angeht.
Des Weiteren hängt die Therapie von der Ursache ab. Ursachen für die periphere Pulmonalarteriensteose können vielfältig sein und man muss zwischen einer angeborenen und einer erworbenen (z.B. Kompression durch eine Neoplasie, Verlegung des Lumens durch Thromben etc.) Stenose unterscheiden.
Bei angeborenen peripheren Pulmonalarterienstenosen sind Stents oder Ballondilation theoretisch mögliche interventionelle Therapiemaßnahmen (und bezüglich Ballonierung gibt es einen Fallbericht bei einer Katze). Ob eine Ballonierung allerdings möglich ist, hängt von der Lokalisation der Stenose ab und das kann nur der untersuchende Kardiologe feststellen. Befindet sich die Stenose zu weit in der Lunge, dann hat man keine Chance mit dem Ballon diese Stelle zu erreichen.
Bezüglich medikamenteller Therapie gibt es eine Veröffentlichung, in der eine Reduktion des Druckes durch die Verabreichung von Atenolol bei zwei Katzen erreicht werden konnte. Ob dies bei Ihrer Katze Sinn macht, kann aber ebenfalls nur der untersuchende Kardiologe entscheiden, der alle Befunde kennt.
Falls Ihre 5 1/2 Jahre alte Katze bisher aber Symptomfrei ist, ist wahrscheinlich sowieso keine Therapie notwendig.

Alles Gute!!
Team Tierkardiologie
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Ludwig-Maximilians-Universität München

KaterKasimir
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon KaterKasimir » Mi Mai 02, 2018 10:45 am

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Gibt es einen Link oder Literatur zum nachlesen für mich hinsichtlich Ballonierung Fallbericht bei einer Katze?

Mir liegt der Kardiobericht mittlerweile vor:
KardioUS: Puls kräftig und regelmäßig HF 180 bpm, HG III/VI, syst., sternal
Echo: gute Kontraktilität, linker Ventrikel und linkes Atrium physiologisch, rechter Ventrikel mild druck- und volumenüberladen, rechtes Atrium in oberen Norm, Pulmonalarterienstamm hgr. dilatiert, Bifurkation der PA nicht einsehbar, systolische Verwirbelungen im Bereich der beiden PA-Äste mit je 4,7 m/s (Druckgradient: 89 mmHg), Aof: 1,5 m/s IVSd: 5,0 mm LVPWd: 5,4 mm LVIDd: 13,3 mm RVPWd: 4 mm RVIDd: 9,5 mm LA/Ao: 1,3 LA Diam LAX: 14,9 mm RA Diam LAX: 14 mm mitlaufendes EKG: Sinusrhythmus
Diagnose: Pulmonalarterienast-Stenose
Beurteilung: Bei dem Befund handelt es sich um eine Einengung beider Pulmonalarterienäste mit konsekutiver Dilatation des Pulmonalarterienstammes. Es handelt sich entweder um einen angeborenen Befund (wobei in den bisherigen Untersuchungen keine Veränderungen zu erkennen waren) oder um eine erworbene Erkrankung. Eine Therapie (Ballondilatation) ist aufgrund der geringen Größe von Katzen und des Grades der Einengung nicht möglich.


Wir hatten kurz über Blutverdünner gesprochen, diesen Ansatz aber aufgrund von Nepomuks niedrigen Thrombos (permanent knapp unter Referenz) wieder verworfen.
Nepi hat ausserdem eine geringgradige Neutropenie.

Seine Zähne müssen in Kürze saniert werden (ihm wurden 2015 bereits 3 FORL-Zähne gezogen) und ich mache mir Sorgen wegen der Narkose.
Haben Sie evtl. Tipps hinsichtlich der Narkotisierung?

Herzlichen Dank vorab

Kardio
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon Kardio » Fr Mai 04, 2018 8:23 am

Hallo,

dieser Fallberich ( Palliative balloon angioplasty in a cat with right pulmonary arterial branch stenoses and concurrent absence of the left pulmonary artery) stammt aus dem Journal of Veterinary Cardiology (J Vet Cardiol. 2013 Sep;15(3):211-6.)
Dieses Journal ist leider nicht öffentlich zugänglich. Den Abstract können Sie allerdings einsehen, wenn Sie danach googeln.

Das Narkoserisiko ist bei Ihrem Kater leider sicherlich höher als bei herzgesunden Katzen. Aber wenn eine Narkose durchgeführt werden muss, wenden Sie sich am Besten an eine Tierklinik mit guten Anästhesisten. Die kümmern sich dann um die Details der Narkose :)
(Wichtig ist zum Beispiel, dass eine gute Monitorüberwachung stattfindet und ein Herz-Kreislaufschohnendes Narkoseprotokoll verwendet wird.)

Ich drücke die Daumen, dass alles gut klappt
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

KaterKasimir
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon KaterKasimir » Sa Mai 05, 2018 6:05 am

Erstmal herzlichen Dank dafür, dass man sich auch als Tier"halter" auf dieser Plattform mit Spezialisten austauschen kann :) .

Neps und ich haben kommenden Montag einen Vorstellungstermin bei der Fachärztin für Zahnheilkunde in einer renommierten Tierklinik in München.
Ich werde darum bitten, dass sie sich mit unserem Kardiologen bespricht.
Hinsichtlich Monitorüberwachung mache ich mir keine Sorgen (das ist dort Standard) und das Herz-Kreislaufschohnende Narkoseprotokoll spreche ich aber sicherheitshalber nochmal an. Danke für den Tipp.

Den Abstract Fallberich ( Palliative balloon angioplasty in a cat with right pulmonary arterial branch stenoses and concurrent absence of the left pulmonary artery) stammt aus dem Journal of Veterinary Cardiology (J Vet Cardiol. 2013 Sep;15(3):211-6.) habe ich gefunden.
Wesentlich interessanter fand ich aber den Abstract "Successful balloon angioplasty of pulmonary artery stenosis in two cats and associated complications" vom Dezember 2017. Vor allem, weil bei Nepi ja ursprünglich 2014 und 2015 auch erstmal "nur" DRVOTO Dynamic right ventricular outflow tract obstruction diagnostiziert wurde (http://www.tierkardiologie.lmu.de/forum/viewtopic.php?f=7&t=60).

Danke für die Daumen :D ; ich denke ein OP-/Narkose-Risiko gibt es auch bei gesunden Tieren und wenn die Kauleiste kaputt ist und den Organismus belastet hilft ja alles nix ;) .

Viele Grüße vom Tegernsee nach München

KaterKasimir
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon KaterKasimir » So Mai 26, 2019 7:49 am

Liebes Kardio-Team der LMU,

ich möchte Nepomuks Falls noch mal ausbuddeln...; aufgrund der Seltenheit vielleicht doch recht interessant für den einen oder anderen.

Vorweg: aktuell geht es dem Kater gut. Seit der letzten Kontrolle 04_18 keine signifikanten Veränderungen.
Er ist (instinktiv?!) weniger aktiv, als seine beiden kätzischen Mitbewohner, die aber auch jünger sind.

Planmässig würde jetzt die jährliche Kontrolle anstehen.
Die Fahrt in die Tierklinik ist bei Nepi allerdings IMMER mit einem hohen Stresslevel verbunden.
Wie sinnvoll erachten Sie einen Kontrolltermin und welchen Vorteil in Bezug auf Diagnose/Therapie würde ein Kontrolltermin bringen?
Besteht die Chance einer Verbesserung?

Ich hatte nochmal in den älteren Berichten und Befunden hinsichtlich möglicher Ursachen und fand in den US-Berichten folgenden Hinweis:
"Sonstiges: Gewebe mit ähnlicher Echognität von Leber präkardial zwischen Leber und Herz (DD:Fett, Leber).
Beurteilung: keine Veränderung zur Untersuchung von vor 12 Monaten (US wurde 06_15, 10_14 und erstmal 02_14 durchgeführt).Am ehestens handelt es sich bei der Masse aufgrund der Echogenität (auch radiologisch) um Fettgewebe."

Bei den Blutbilder (regelmässig seit 01_2014) von Nepi ist auffällig, dass sowohl seine Thrombozyten als auch Segmentkernige/Neutrophile IMMER unterhalb der Referenz liegen.
In 07_16 wurde aufgrund seiner Blutparameter eine myeloische Leukämie diagnostiziert. Nach dem ersten Schock und Einholung einer Zweitmeinung wurde dann anhand Zytologie eine geringgradige Neutropenie diagnostiziert.
FIV/FeLV Test waren negativ, ebenso der Test auf Corona-AK.
Sind medizinisch Kausalitäten zwischen der periphere Pulmonalarterienstenose und den Blutparametern möglich?
Desweiteren beobachte ich ab und zu Ansätze eines Rolling Skin Syndroms, die aber nach wenigen Sekunden wieder nachlassen.

Herzlichen Dank vorab und viele Grüße

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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon s.hertzsch » Fr Jun 14, 2019 10:04 am

Guten Tag,

die regelmäßigen echokardiographischen Kontrollen dienen der Einschätzung des Verlaufes sowie der frühzeitigen Erkennung einer Progression der Erkrankung, da es je nach Verlauf und Schweregrad bei der Erkrankung auch zu einem Rechtsherzversagen kommen kann. Die Zeitintervalle zwischen den Kontrollen werden entsprechend der bisherigen Befunde gewählt. Mir ist nicht bekannt, dass es einen Zusammenhang zwischen den veränderten Blutwerten und der Pulmonalarterienstenose gibt.

Ich wünsche Ihnen und Nepi weiterhin alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon KaterKasimir » So Jun 16, 2019 10:34 am

Liebe Frau Dr. Hertzsch,

herzlichen Dank für das Feedback.
Ich werde selbstverständlich einen Kontrolltermin mit Nepi wahrnehmen.

Die Frage bleibt allerdings, welche Behandlungsoptionen es bei einer Progression gibt?

Unser Kardiologe war so lieb und hatte 2018 nach Nepis Diagnose Kontakt zu Prof. Schneider in Gießen aufgenommen.
Auch von der Seite kam die Aussage, dass es aktuell keine vernünftigen Behandlungsoptionen gibt, da die Stenosen bei Nepi an einer extrem schwierigen Stelle (weit unten an der Verästelung) liegen.

Hmm, alles schwierig.
Aber im Moment geht es ihm nicht schlechter als 2018.

s.hertzsch
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Re: periphere Pulmonalarterienstenose Katze

Beitragvon s.hertzsch » Mo Jun 17, 2019 11:57 am

Guten Tag,

es ist gut zu hören, dass es Nepi aktuell nicht schlechter geht. Die Behandlungsoptionen richtet sich immer nach dem genauen Befund und die Therapieoptionen sind in der Regel oftmals nur palliativ und nicht kurativ in der Veterinärmedizin. Wie bereits erwähnt besteht bei manchen Formen der Pulmonalarterienstenose die Option einer Balloonierung. Bei anderen Patienten (auch in der Veterinärmedizin) kann ein Stent in die Pulmonalarterie eingesetzt werden. Sollte ein Herzversagen vorliegen, erfolgt eine symptomatische medikamentöse Therapie. Leider kenne ich die genauen Befunde von Nepi nicht, da ich ihn nicht selbst untersucht habe und kann daher keine Aussage zu den möglichen Therapieoptionen bei Nepi geben.

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Hertzsch
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