Sehr geehrtes Kardiologenteam,
ich hatte in der Vergangenheit schon ab und an Fragen zu meinem schwer herzkranken Kater eingestellt. Seit Mitte August ist zur HCM zunächst ein akutes, dann ein chronisches Nierenversagen hinzugekommen. Darüber hinaus besteht noch eine chronische Colonkoprostase.
Mein geliebter Kater ist seit diesen schrecklichen Diagnosen wirklich auf und ab gegangen mit mehreren Therapieansätzen. Seine Nierenwerte kamen wieder in akzeptable Bereiche, Übelkeit und Erbrechen hielten jedoch an bzw. verschlimmerten sich. Das alleinige Fressen und Trinken war letzte Woche komplett eingestellt.
Die letzte Herzultraschallkontrolle Ende Oktober ergab keine Veränderung der Werte im Vergleich zu Mitte August 2011 (unverändert erheblich konzentrische Verdickung der linken Herzwand, aber nicht mehr im akuten kongestiven Herzversagen wie bei der Thromboembolie (ich bin nicht sicher, ob ich das so richtig beschrieben habe...).
Nach Vorstellung beim TA letzte Woche Donnerstag, ist die derzeitige Medikation bei einem Gewicht von 3,5 kg neben den Herzmedikamenten 1/2 Vasotop 1,25 mg, 1/4 Atenolol 25 mg, 2x10 mg Dimazon zusätzlich 2x1/4 Ranitidin 75 mg, 1 ml Renes Viscum sowie 3x1/4 Prednisolon 5 mg täglich.
Die Aspiringabe von 1/8 Tabl. alle 3 Tage sollte/wurde auf Anraten trotz bereits erlittener Thromboembolie eingestellt.
Ergänzend erhielt mein Kater erstmalig an zwei Tagen hintereinander eine NaCL-Infusion von 100ml bzw. 75 ml sowie die Injektionen Cerenia gegen Übelkeit und Amoxicillin gegen eine vermutete Gastritis und Cortison.
Es ging danach bzw. über das Wochenende mit meinem Kater bergauf, er fühlte sich besser, frisst und trinkt wieder etwas und war - fast wieder ganz der Kater wie er früher einmal war (Einforderung von Ritualen etc.)
Das erneut erstellte Blutbild ergab, dass die Nierenwerte meines Katers zwar erhöht sind, aber kein akutes Versagen und keine Anämie besteht. Auch die Leberwerte sind soweit ok. Ebenfalls wurden die Schilddrüsenwerte ohne Auffälligkeiten bestimmt.
Leider hat sich der Zustand bzw. das Befinden meines Katers wieder etwas verschlechtert. Er frisst und trinkt seit heute wieder weniger, die Wirkung der o.g. Medikamente scheinen wieder nachzulassen.
Nun die verzweifelten Fragen eines liebenden Tierbesitzers an Sie:
Vier Tierärzte haben mir bestätigt, dass die Nierenwerte alleine nicht der Auslöser für das insbesondere Anfang letzter Woche extreme Erbrechen und die Futter- und Trinkverweigerung sein könnten, da insbesondere die Harnstoffwerte nicht signifikant erhöht sind.
Alle vier Tierärzte waren aber trotz der unveränderten Ultraschallwerte und der noch moderaten Nierenwerte nicht in der Lage mir zu begründen, was die Ursache der Übelkeit bzw. Futterverweigerung bei meinem Kater sein könnte.
Kann es wirklich sein, dass die eigentlich gut eingestellte HCM (auch Atemfrequenz immer weit unter 45 Atemzügen) dennoch die Symptome der kompletten Inappetenz verursacht?
Zwei TÄ fanden die Dimazon-Dosis mit 2x10 mg pro Tag bei der CNI als zu hoch.
Kann man diese etwas reduzieren?
Kann für Aspirin evtl. Dalteparin eingesetzt werden, weil weniger magenbelastend? Ich habe Angst, dass sonst wieder ein Thrombus entstehen könnte.
Gibt es aus Ihrer Sicht noch einen weiteren Untersuchungsansatz, die Ursache für die Symptomatik der Fressunlust bei meinem Kater herauszufinden?
Ich empfinde es als sehr traurig, trotz der vielen TA-Besuche immer noch "im Dunkeln zu tappen" und niemand wirklich etwas weiss, außer der Empfehlung einer baldigen Euthanasie. Mein Kater hat aber noch Lebenswillen und -qualität, sonst würde er nicht immer wieder nach draussen wollen, über Zäune springen, den Vögeln hinterherschauen, schnurrig sein etc.
Vielleicht haben Sie ja noch eine Antwort oder einen entscheidenden  Hinweis - eventuell auch ohne den Kater untersucht zu haben ... (leider ist München 600 km weit entfernt).
In der Hoffnung auf eine hilfreiche Antwort dankbare und freundliche Grüße,
J. Cronauer
Kater Medikation bei HCM u. CNI
Moderator: j.schöbel
Re: Kater Medikation bei HCM u. CNI
Guten Morgen, Frau Cronauer,
aus der Ferne kann so ein komplexes Krankheitsgeschehen leider nicht entsprechend beurteilt werden.
Ob Dimazon reduziert werden kann oder nicht, ist abhängig davon, ob Ihre Katze bereits ein Lungenödem hatte oder nicht (also ob das Herzleiden bereits dekompensiert ist). Dies darf jedoch nur unter strikter Atemfrequenzkontrolle erfolgen. Man bewegt sich bei einer CNI und einem gleichzeitig bestehendem Herzleiden immer auf einem schmalen Grat die Medikation betreffend.
Dalteparin ist eine Option, die anstelle von Aspirin verabreicht werden kann. Dieses Medikament hat einen anderen Wirkmechanismus und ist damit magenschonender. Es ist jedoch nur als Injektionslösung erhältlich.
Dass nur das Herzleiden der alleinige Auslöser für die von Ihnen beschriebene Symptomatik ist, scheint eher unwahrscheinlich zu sein.
Als nächste diagnostische Schritte könnte man eine weitere Abklärung mittels eines abdominalen Ultraschalls und einer etwaigen stationären Aufnahme zur genaueren Ursachenforschung einleiten. Unter Umständen benötigt Ihre Katze eine längere Sequenz von vorsichtiger Infusionstherapie (ebenfalls wieder unter strikter Atemfrequenzkontrolle um das Herzleiden nicht zu verstärken - dies ist jedoch wieder abhängig, ob Ihre Katze bereits dekompensiert war oder nicht) und längere antiemetische Therapie. Meist ist bei hochgradigen CNI-Patienten ein sehr langfristiges und intensives Management nötig.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Peter Holler
aus der Ferne kann so ein komplexes Krankheitsgeschehen leider nicht entsprechend beurteilt werden.
Ob Dimazon reduziert werden kann oder nicht, ist abhängig davon, ob Ihre Katze bereits ein Lungenödem hatte oder nicht (also ob das Herzleiden bereits dekompensiert ist). Dies darf jedoch nur unter strikter Atemfrequenzkontrolle erfolgen. Man bewegt sich bei einer CNI und einem gleichzeitig bestehendem Herzleiden immer auf einem schmalen Grat die Medikation betreffend.
Dalteparin ist eine Option, die anstelle von Aspirin verabreicht werden kann. Dieses Medikament hat einen anderen Wirkmechanismus und ist damit magenschonender. Es ist jedoch nur als Injektionslösung erhältlich.
Dass nur das Herzleiden der alleinige Auslöser für die von Ihnen beschriebene Symptomatik ist, scheint eher unwahrscheinlich zu sein.
Als nächste diagnostische Schritte könnte man eine weitere Abklärung mittels eines abdominalen Ultraschalls und einer etwaigen stationären Aufnahme zur genaueren Ursachenforschung einleiten. Unter Umständen benötigt Ihre Katze eine längere Sequenz von vorsichtiger Infusionstherapie (ebenfalls wieder unter strikter Atemfrequenzkontrolle um das Herzleiden nicht zu verstärken - dies ist jedoch wieder abhängig, ob Ihre Katze bereits dekompensiert war oder nicht) und längere antiemetische Therapie. Meist ist bei hochgradigen CNI-Patienten ein sehr langfristiges und intensives Management nötig.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Peter Holler
[font=Verdana]Diplomate ACVIM Cardiology
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universit
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universit