Kardiomegalie 11-jähriger Kater: Frage zu den Werten

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igatti
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Kardiomegalie 11-jähriger Kater: Frage zu den Werten

Beitragvon igatti » Mo Nov 04, 2019 12:40 pm

Guten Tag,

vor Kurzem wurde bei unserem 11-jährigen Birma-Kater Lungenödem und Kardiomegalie in der TK festgestellt.

Wir sind da vorstellig geworden,da der Kater nicht gefuttert hat und nach einer Infusion von einem Not-TÄ angefangen hat zu hecheln und Maulatmung hatte.

Hier sind die Werte aus dem Befundbericht:

Ultraschall Herz: Wände verdickt,v.A: Papillarmuskel, LA/Ao 1:2,1
EKG: AV-Block 2. Grades, VES, SVES
systolischer Blutdruck 200 mn Hg

Unser Kater wurde stationär aufgenommen (2 Nächte), hat Furosemid und Sauerstoff erhalten.

Das Kreatinin war angestiegen, am Tag der Entlassung jedoch besser geworden.

Anstatt Furosemid erhielt er Upcard 0,75 mg 1 Tabl. q24h und Clopidogrel 75 mg 1/8 Tabl. q24h.

Zum Kontrolltermin sowie schon davor zuhause war die Atemfrequenz normal (20-25 Atemzüge p. min).

Zum Kontrolltermin lag der systolische Blutdruck bei 140 mm Hg.

Er erhält zusätzlich Nepresol 25 mg 1/10 Tabl und ein Appetitanreger.

Uns wurde gesagt, es hätten sich Tromben im Vorhof gebildet. Leider waren wir beim Ultraschall nicht dabei und die Erklärungen waren mehr als lapidär.

Zuhause ruht er sich aus, trinkt viel, die Atemfrequenz ist normal (20-25), fressen tut er leider wenig (schlabbert Sauce vom Finger ab), daher wird er per Spritze zugefüttert.

Wir merken jedoch, dass ihm langsam besser geht, fordert Kuscheleinheiten ein, läuft rum.

Wir haben vermehrt den Eindruck, dass ihm immernoch übel ist und vielleicht deswegen nicht frisst?

Kommt die Übelkeit von den Medis?

Wie können wir die Übelkeit bekämpfen?

Wäre Emipirid angebracht?

Ausserdem verstehen wir nicht wirklich die Diagnose. Kardiomegalie - was bedeutet das genau? Ist das gleich HCM?

Vor 5 Wochen war er eine Woche lang wegen nicht-Fressen, Durchfall und Speicheln beim Haus-TA in Behandlung. Er hat jeden Tag eine Infusion sowie Antibiotikum erhalten und wurde auch täglich abgehört. Es wurde kein Herzgeräusch festgestellt. Die Diagnose war: Magenverstimmung.

Nun kommt die Schocknachricht. Uns wurde zur Euthanäsie angeraten :(((

Wir verstehen es nicht. Ist es wirklich so schlimm und kann man nichts mehr für ihn tun?

Herzlichen Dank und verzweifelte Grüße

igatti
Beiträge: 3
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Re: Kardiomegalie 11-jähriger Kater: Frage zu den Werten

Beitragvon igatti » Mo Nov 11, 2019 9:40 am

Aktueller Status:

-Medikamente wurden angepasst. Nun kriegt er Upcard 1 Tab., Aspirin 1/4 alle 3 Tage statt Clopidogrel und Peritol 1/4. Übelkeit ist weniger geworden.

- er frisst leider noch nicht eigenständig. Bzw. ein wenig Katzenmilch und Sauce vom Nassfutter. Wir füttern per Spritze Convalescence Support von Royal Canine und Reconvales Tonicum.

- Zustand stabil, Atemfrequenz 25-26.

Was können wir ihm verabreichen damit er frisst?
Ein anderer Appetitanreger als Peritol?

Vielen Dank im Voraus und verzweifelte Grüsse

j.friederich
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Re: Kardiomegalie 11-jähriger Kater: Frage zu den Werten

Beitragvon j.friederich » Mo Nov 11, 2019 5:06 pm

Guten Tag,

es tut mir sehr leid, von der Erkrankung Ihres Katers zu hören!

Der Begriff Kardiomegalie bedeutet "Vergrößerung des Herzens". Was genau die Ursache für die Herzvergrößerung ist, wird mit diesem Begriff nicht beschrieben.

Bei einer Hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) kommt es zu einer Verdickung des Herzmuskels. In Folge dessen kann sich die Herzkammer in der Diastole nicht mehr richtig ausdehnen und es kommt zu einem Rückstau von Blut in den Vorhof. Im weiteren Verlauf vergrößert sich der Vorhof und es kommt zu einem Rückstau des Blutes in den Lungenkreislauf und letztendlich zur Ausbildung eines Lungenödems ("Wasser auf der Lunge") und/oder eines Thoraxergusses (Flüssigkeit im Brustkorb). In diesem Fall ist eine Therapie mit entwässernden Medikamenten (wie im Falle Ihres Katers mit Upcard) indiziert.
Der Blutfluss im vergrößerten Vorhof ist verlangsamt, weshalb es zur Ausbildung von Mikrothromben (kleinen Blutgerinnseln) kommt. Diese können sich zusammen lagern und einen großen Thrombus bilden. Wird ein Teil dieses Thrombus abgespalten, gelangt er über die Aorta (Körperhauptschlagader) in den Körperkreislauf und kann dort zur Verlegung von Gefäßen (in den Gliedmaßen, Endorganen oder im Gehirn) führen.

Es gibt jedoch noch weitere Kardiomyopathien bei der Katze, wie beispielsweise eine restriktive, dilatative oder unklassifizierte Kardiomyopathie, die ebenfalls zur Herzvergrößerung führen können. Es kann jedoch nicht bei jeder Kardiomyopathie der Katze ein Herzgeräusch auskultiert werden.

Bei einer lang-andauernden entwässernden Therapie werden Elektrolyte, vorallem Kalium, über die Niere vermehrt ausgeschieden. Kommt es zu einer Hypokaliämie (erniedrigter Kalium-Wert im Blut) werden die Tiere schlapp und inappetent. Daher sollten während einer entwässernden Therapie regelmäßig die Nierenwerte und Elektrolyte kontrolliert werden und Kalium gegebenenfalls zur Therapie ergänzt werden.
Ist eine Herzerkrankung bereits sehr weit voran geschritten, kann es aufgrund von Abbau von Fett- und Muskelmasse zu einer kardialen Kachexie kommen. In diesem Fall ist die Prognose sehr vorsichtig.
Ein weiteres mögliches Medikament zur Appetitanregung ist Mirtazapin. Ob dieses Medikament bei Ihrem Kater indiziert ist, sollten Sie jedoch mit Ihrem behandelnden Tierarzt besprechen.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kater weiterhin alles Gute!
Jana Friederich
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

igatti
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Re: Kardiomegalie 11-jähriger Kater: Frage zu den Werten

Beitragvon igatti » Mi Nov 13, 2019 12:42 pm

Liebe Frau Friedrich,

herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! Der Kater frisst schon wieder, hat aber ab und an heiße Ohrchen, es tropft aus der Nase und er niesst auch ab und zu. Was können wir dagegen tun?

Noch einmal vielen Dank!

Herzliche Grüße von Leochens Familie

j.friederich
Beiträge: 50
Registriert: Di Jan 08, 2019 7:18 am

Re: Kardiomegalie 11-jähriger Kater: Frage zu den Werten

Beitragvon j.friederich » Mo Nov 18, 2019 8:21 am

Guten Tag,

es freut ich zu hören, dass Ihr Kater wieder frisst.
Nasenausfluss und Niesen sind Symptome des oberen Respirationstraktes und können durch eine kardiale Ursache oder die aktuelle Medikation nicht erklärt werden.
Daher raten wir zu einer weiteren Abklärung dieser Symptome bei Ihrem behandelnden Tierarzt.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kater weiterhin alles Gute!
Jana Friederich
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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