Praktika in USA

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admin
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Praktika in USA

Beitragvon admin » Do Feb 26, 2004 6:29 pm

Bitte tragen Sie hier Ihre Erfahrungen mit Praktika in den USA ein! Danke ;)
Prof. Dr. Gerhard Wess
Dipl. ACVIM (Kardiologie)
Dipl. ECVIM-CA (Kardiologie)
Dipl. ECVIM-CA (InnereMedizin)
Leiter Abteilung für Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
LMU München

vetimk
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Praktikum an der Cornell University, NY

Beitragvon vetimk » Do Mär 04, 2004 4:58 pm

Hi,
also ich war an der Cornell Universität in Ithaca, New York State. Ich kann sie nur jedem empfehlen, der einzige (und zugegeben nicht unerhebliche) Nachteil ist, dass man 100 Dollar pro Woche zahlen muss- wie aber an vielen anderen Unis in den USA auch (ausserdem müssen die Studenten dort auch sehr viel Geld bezahlen für ihr Studium) . Die Ausbildung dort ist ihr Geld aber auch wert... die meisten Ärzte dort lassen sich sehr, sehr viel Zeit für Fragen, genau wie die Professoren. Diese opfern z.B. ihre Mittagspausen, um einer Gruppe von 5 Studenten etwas über ihr Spezialgebiet zu erzählen, wer macht das hier schon?Ist keine Hilfe bei der klinischen Untersuchung zur Hand, hält einem auch ein Professor das Tier...
Die theoretische wie auch praktische Ausbildung ist hervorragend (ich weiss ehrlich nicht, wie man sie besser gestalten könnte), man kann fast alles selbstständig machen, wie z.B. Knochenmark punktieren. Chirurgisch Ungeübte (wie mich) kann das schon mal überfordern, da in den Chirurgierotationen (im Gegensatz zu hier) selbst sehr viel Hand angelegt werden darf und soll. In der Poliklinik dort werden alle Patienten nur von Studenten behandelt, auch Medikamente werden selbstständig verschrieben und das ohne Absprache mit einem Arzt. Natürlich sind zwei Supervisor da, die man fragen kann, aber nicht muss, man kann völlig selbständig entscheiden, was mit dem jeweiligen Patienten passieren soll. Der Begriff Teaching Hospital wird sehr ernst genommen.
Ich war in den Rotationen CPS (eine Art Poliklinik), Chirurgie, Kardiologie und Innere, und kann alle vier nur empfehlen. Aber auch die meisten anderen Departements wurden zum großen Teil von den  Studenten oder Externs nur gelobt.
Zudem kommt hinzu, dass die meisten Leute, ob Studenten, Ärzte oder Besitzer äußerst freundlich und hilfsbereit waren (auch wenn manche das hier für Oberflächlichkeit halten mögen).

Ein anderer, nicht ganz unwichtiger Punkt ist natürlich der Urlaub (man sollte nach seinem Klinikaufenthalt noch ein ein oder zwei Wochen einplanen, da man während der Rotation 24h auch am Wochenende eingebunden ist). Die Landschaft ist einfach toll, Ithaca liegt z.B. ca. 2 Stunden entfernt von den Niagara Fällen im Norden des Staates NY. Eigentlich gibt es dort nur Wald und Wasserfälle, sowie die Studentenstadt Ithaca, wo man aber auch einiges unternehmen kann, v.a. wegen der dauernd stattfindenden Partys.

Wohnmöglichkeiten gibt es viele, die meiner Meinung nach beste ist irgendwo bei anderen Studenten privat. Die haben oft riesige Häuser gemietet und vermieten selbst Räume unter. Adressen bekommt man z.B. über die Uni. Verbindungshäuser sind eine andere Möglichkeit, aber aufgrund gewisser hygienischer Mängel (Küche, Bad...) sind sie nicht uneingeschränkt zu empfehlen.
An- und Abreisen tut man am besten von NY City, wo man an sich schon 2 Wochen ohne Langeweile verbringen kann. Von dort aus nimmt man sich einen Greyhound (kann man auch im Internet buchen, sollte aber nicht notwendig sein) nach Ithaca, es gibt eine direkte Verbindung dorthin.      

Zusammenfassend kann ich ein Praktikum dort nur wärmstens empfehlen, es bringt euch wahnsinnig viel, auch an neuen Erfarhrungen.

viel Spass
Markus :)
Tierarzt Dr. Markus Killich&&Team der Abteilung f

root
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Re: Praktika in USA

Beitragvon root » Mi Apr 07, 2004 9:41 am

Hallo !

Also ich kann Markus nur beipflichten. War glaub ich im Jahr vor ihm drüben und bin mindestens genauso begeistert wir er.
Habe außer den Kleintierrotationen CPS (absolut empfehlenswert) und Chirurgie noch Innere Medizin Großtier (hauptsächlich Pferd) gemacht und kann diese auch nur wärmstens empfehlen.

Die Erfahrung mit Hygienemängeln in Verbindungshäusern habe ich nicht gemacht ... allerdings hängt das immer sehr davon ab, wer grad die Häuser bewohnt.  :D

Nicht zu vernachlässigender Nachteil sind allerdings wirklich die Kosten. Zumal es viele gute amerikanische Unis gibt, die ein ähnliches System haben und nichts für das Praktikum verlangen. Dafür muss man sich aber im Klaren sein, dass man in Cornell wirklich "state of the art" Kliniken und Gerätschaften hat und mit den Besten in ihren Fächern zusammenarbeitet - mir sind noch nie soviele Buchautoren wie dort begegnet. (-;

Ich wünsche Euch viel Spaß !!!

Monika

tobi
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Re: Praktika in USA

Beitragvon tobi » Mo Mai 24, 2004 8:36 am

Hi,
ich habe an der Mississippi State University in Strakville Praktikum gemacht. Ich war in den Rotationen Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie. Ich kann auch bestätigen was ihr bei Markus Beitrag schon gelesen habt: bei einem Praktikum an einer amerikanischen Universität kann man sehr viel lernen und Erfahrung sammeln. Die Studenten und Praktikanten arbeiten sehr selbständig, nehmen den Vorbericht auf, untersuchen die Patienten klinisch und besprechen dann das weitere Vorgehen  mit einem der Ärzte. Auch bei weiterer Diagnostik wie z.B. Knochenmark punktieren dürfen das die Studenten/Praktikanten machen.
In der Anästhesie besprechen die Studenten/Praktikanten mit dem Anästhesisten die bevorstehende Narkose und führen sie dann selbständig durch. Treten in der Narkose Fragen oder schwierige Situationen auf ist aber immer ein Anästhesist in der Nähe der hilft. Zu empfehlen ist auch eine Rotation in der Radiologie.
Wohnen kann man in Herberts Halls, einem Wohnheim. Das Wohnheim selbst ist zwar nicht so der Hit, aber man erreicht die Tierklinik mit dem Fahrrad in 5 Minuten. Alternativ kann man versuchen bei einem Studenten unterzukommen. Nachteil ist allerdings, daß viele Studenten etwas ausserhalb von Starkville wohnen und man dann eigentlich ein Auto braucht um an die Klinik zu kommen.
Leider ist Starkville keine Traumstadt, die zum Urlaub machen einlädt. Aber dazu hat man während des Praktikums sowieso keine Zeit. Lieber sollte man nach dem Praktikum noch Zeit für einen Urlaub einplanen.

Petit_Prince
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Re: Praktika in USA

Beitragvon Petit_Prince » Sa Nov 12, 2011 8:29 pm

::)Also, ich habe längere Zeit an der University of Pennsylvania, School of Veterinary Medicine (Kleintiere) und am New Bolton Centre (Großtiere, hauptsächlich Pferde) verbracht. Ich war seinerzeit schon in den klinischen Semestern an der TiHo Hannover, wo es noch im wahrsten Sinne des Wortes "Vorlesungen" gab und man als Student mal eine OP aus der 3. Reihe betrachten durfte. Also ab in die US of A, um mal über den Tellerrand zu sehen. Tja, und das war ein Rand - ich erinnere mich noch gut, daß ich weder davor noch jemals danach ein solches Gefühl der 'Blamage und Unzulänglichkeit verspürt habe. Man wird dort sofort als werdender Tier"arzt" behandelt, nicht als lästiges Anhängsel des Universitätslebens. Vom ersten Tag an mitten rein ins Geschehen: Zuerst Narkoseüberwachung bei einer Pferde-OP, dann die Aufforderung, selbst mal dran rumzu-schlipseln. Und ich Tropf konnte noch nicht einmal korrekt in Kittel und Handschuhe steigen. Nach einigen Wochen allerdings, ging es gleich viel besser, ich durfte sogar allein emergency duty machen, an der Entwicklung einer neuen OP-Methode des Kreuzbandrisses beim Hund mitwirken (fibular head transposition) und mein Name wurde tatsächlich in der entsprechenden Veröffentlichung erwähnt (!!!). Man sollte versuchen, so viele Rotations wie möglich mitzunehmen, da man so unglaublich viel lernen kann und vor allem lernen kann, selbständig und dann doch mit Selbstvertrauen zu arbeiten, immer aber unterstützt - nicht kontrolliert - von den Interns und auch den Profs, die sich immer Zeit nehmen und jede Frage beantworten, möge sie auch noch so doof sein. Ich erinnere mich mit ein wenig Häme daran, daß der damalige Leiter der Pferdeklinik in New Bolton herumgeführt und ich - die ich gerade meinen ersten Trans-Trachial-Wash durchführte - ihm als Studentin aus Hannover vorgestellt wurde. Er, der gar nicht wußte, daß es mich überhaupt gab, murmelte irgendwas von "beste Studentin ..." und wisperte mir dann ins Ohr, daß ich ihm diesen Eingriff dringend erklären müsse, er habe noch nie davon gehört
Die (knappe) Zeit außerhalb der Uni, machte viel Spaß. Ich wohnte in einer Studentenwohnung in Rotation mit einer anderen Studentin zwischen Groß- und Kleintierklinik. Insofern kann ich über hygienische Zustände keine Aussage machen, da wir selbst dafür veranwortlich waren. Unigebühren habe ich auch nicht entrichten müssen, da ich ein Stipendium hatte.
Geradezu rührend fand ich, daß zu meinem Geburtstag die meisten Kommilitonen und auch einige Assistenten eine große Party mit einem gigantischen Turkey und einer badewannegroßen Kumme mit (Frucht)punsch organisierten.
Fazit: Ab in die USA!!! Besser, gründlicher, vielseitiger, vertrauensvoller, tiefgehender, moderner, kooperativer und begeisternder kann man die Vielschichtigkeit und Schönheit dieses Berufes nicht vermitteln.


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