Couplets mit Herzfrequenz von 320 und 350

Hier beantworten wir Fragen zu Herzerkrankungen
brindle
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Couplets mit Herzfrequenz von 320 und 350

Beitragvon brindle » Mo Sep 25, 2017 7:17 pm

Liebes Kardio-Team,

bei meinem Hund wurden in einer 24h-EKG-Messung zwei sogenannte Couplets mit einer Herzfrequenz von 320 und 350 festgestellt. Nun würde es mich freuen, wenn ich Sie dazu zwei Sachen fragen dürfte:

Wenn Strukturveränderungen am Herzen aufgrund von Schall und Röntgen ausgeschlossen werden können (alles sah einwandfrei aus), in welche Richtung würden Sie beim Hund schauen, wenn Sie nach einer Ursache suchen wollten? Und zweitens wüsste ich gern, was Sie aus Ihrer Erfahrung heraus sagen können: Nehmen solche ventrikulären Extrasystolen im Hochgeschwindigkeitstempo, die "im Doppel" auftreten, für gewöhnlich zu? Ist also zu befürchten, dass dieses Phänomen progredient ist?

Viele Grüße
brindle

s.hertzsch
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Re: Couplets mit Herzfrequenz von 320 und 350

Beitragvon s.hertzsch » Fr Sep 29, 2017 8:33 am

Guten Tag,

leider sind nicht alle Herzerkrankungen von Beginn des Krankheitsgeschehens an mittels Röntgen oder Ultraschall darstellbar. Umbauvorgänge, die sich auf zellulärer Ebene abspielen, führen möglicherweise erst im späteren Verlauf zu bildgeberisch darstellbaren Veränderungen, während die Rhythmusstörungen aber bereits früher nachweisbar sind. Daher raten wir bei Vorliegen von potentiell kardial bedingten Rhythmusstörungen zu regelmäßigen echokardiographischen Kontrollen, auch wenn in der initialen Untersuchung keine Auffälligkeiten befundet werden konnte.

Bezüglich der ventrikulären Extrasystolen lassen sich keine pauschalen Aussagen über die weitere Entwicklung dieser Rhythmusstörungen treffen. Zur Beurteilung, ob Arrhythmien therapiebedürftig sind oder nicht, ist ein Langzeit-EKG notwendig, welches ja bereits richtigerweise bei Ihrem Hund erfolgt ist. Inwieweit jetzt eine Therapie dieser Rhythmusstörung notwendig ist, hängt von dem genauen Befund ab und kann am Besten von Ihrem behandelnden/er Kardiologen/in beurteilt werden. Nach einem Therapiestart mit einem Antiarrhythmikum ist eine erneute Langzeit-EKG Kontrolle zur Evaluation des Therapieerfolges notwendig. Sollte sich gegen eine Therapie entschieden worden sein, ergeht bei Ventrikulären Couplets mit solch einer Schlag-zu-Schlag-Geschwindigkeit dennoch der Rat das Langzeit-EKG zeitnah zu wiederholen, um eine mögliche Progression feststellen zu können. Da ich Ihren Hund nicht selbst untersucht habe und die genauen Befunde nicht kenne, bitte ich Sie den Zeitpunkt für die nächste Langzeit-EKG Kontrolle mit Ihrem behandelnden/er Kardiologen/in zu besprechen.

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwg-Maximilians-Universität München

brindle
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Re: Couplets mit Herzfrequenz von 320 und 350

Beitragvon brindle » Fr Sep 29, 2017 2:08 pm

Haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, Frau Hertzsch!

So, wie ich Sie verstehe, heißt das: Es bahnt sich u.U. eine Erkrankung an, die vielleicht noch zu jung ist, als dass sie sich bildgebend zeigen würde. Deshalb Ihre Empfehlung, regelmäßig das Herz zu schallen ...

Zweitens halten Sie für möglich, dass die Rasanz, die diesen Couplets innewohnt, eine schnelle Progression denkbar macht (nicht muss, aber kann)? Verstehe ich das richtig?

Und drittens hätte ich noch diese Frage: Auf einer Kardio-Unterseite der LMU, auf der es um EKG-Seminare geht, steht, dass sogenannte VES ihre Ursache auch außerhalb des Herzens haben können, also in anderen systemischen Erkrankungen. Was sagt da Ihre Erfahrung: Entspringen solche Couplets, wie im Falle meines Hundes, meistens doch einer Herzerkrankung oder können die genauso (häufig) ihre Ursache außerhalb des Herzens haben?

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
brindle

s.hertzsch
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Re: Couplets mit Herzfrequenz von 320 und 350

Beitragvon s.hertzsch » Mi Okt 04, 2017 11:28 am

Guten Tag,

die Antwort auf Ihre ersten beiden Fragen/Feststellungen lautet ja. Bezüglich Ihrer dritten Frage ist zu sagen, dass Ventrikuläre Extrasystolen, welche nicht durch eine Herzerkrankung, sondern durch andere Prozesse im Körper ausgelöst werden, erfahrungsgemäß nicht so schnell sind, wie dies bei Ihrem Hund der Fall ist. Jedoch kann auch hier die Ausnahme die Regel bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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