Spitzenwerte bei Riesenrassen

Hier beantworten wir Fragen zu Herzerkrankungen
brindle
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Spitzenwerte bei Riesenrassen

Beitragvon brindle » Di Aug 29, 2017 7:48 pm

Liebes LMU-Team,

mein Deerhoundrüde, fast vier Jahre alt, zeigt beunruhigende Symptome, die in Richtung Herz zeigen: eine seit Monaten bestehende Leistungsschwäche (die mit IBD-ähnlichen Problemen begann), zweimal nach Spielen kurzzeitig eine blaue Zunge und zufällig einmal in der Nacht ein von mir über 30 Minuten wahrgenommenes Herzrasen: 180 Schläge pro Minute.

Laut Ultraschall und Röntgenbild ist das Herz einwandfrei. Ein 24h-EKG soll demnächst gemacht werden.

Meine grundsätzliche Frage an Sie ist: Sind 180 Schläge pro Minute im Ruhezustand über mindestens eine halbe Stunde in jedem Fall pathologisch?

Freundliche Grüße
brindle

Kardio
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Re: Spitzenwerte bei Riesenrassen

Beitragvon Kardio » Mi Aug 30, 2017 6:47 am

Hallo!

Bei einem großen Hund ist in Ruhe eine Herzfrequenz von 180/min in der Tat kein Normalbefund und sollte weiter abgeklärt werden.
Dazu sind ein Herzultraschall (wie in Ihrem Fall bereits durchgeführt) und ein 24h-EKG sinnvoll. Sollte das 24h-EKG unauffällig sein, sollte eine weitere internistische Abklärung erfolgen, da eine hohe Herzfrequenz auch nicht-kardiale Ursachen haben kann. Nicht-kardiale Ursachen können beispielsweise Schmerzen, Hormonstörungen, Fieber oder Blutarmut sein.

Die Leistungsschwäche und die anfänglichen Magen-Darm-Symptome können hierbei Teil des Grundproblems sein, können jedoch auch von einer weiteren Erkrankung verursacht werden.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Hündin alles Gute!
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

brindle
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Re: Spitzenwerte bei Riesenrassen

Beitragvon brindle » Mi Aug 30, 2017 7:31 am

Guten Morgen,

herzlichen Dank für die schnelle Rückmeldung!

Darf ich noch fragen, ob Sie es sinnvoll finden, vor diesem Hintergrund die Schilddrüse überprüfen zu lassen? Ich las in einem Beitrag der LMU, dass es bisher keine Studienergebnisse geben soll, die für hormonelle Auswirkungen der Schilddrüse auf das Herz sprächen. Das würde bedeuten, dass die Hormonstörungen, die Sie als hypothetische Ursache für Herzrasen ansprechen, nicht von der Schilddrüse kommen können ...

Einen schönen Tag wünscht
brindle

Kardio
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Re: Spitzenwerte bei Riesenrassen

Beitragvon Kardio » Do Aug 31, 2017 7:32 am

Hallo!

Eine Schilddrüsenunterfunktion führt in aller Regel nicht zu einer hohen Herzfrequenz, sondern zu einer niedrigen Herzfrequenz. Wenn bei Hunden, die gebarft werden, in der Ration sehr viel Schlund enthalten ist, kann es durch die Aufnahme der bovinen Schilddrüsenhormone zu Symptomen kommen, die einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln. Dies könnte zu hohen Herzfrequenzen führen.

Da es wie gesagt noch andere hormonelle und nicht-hormonelle Erkrankungen gibt, die zu hohen Herzfrequenzen führen können, sollten Sie das weitere Vorgehen mit Ihrem Tierarzt besprechen.

Alles Gute
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

brindle
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Re: Spitzenwerte bei Riesenrassen

Beitragvon brindle » Do Aug 31, 2017 12:57 pm

Herzlichen Dank für die klare Antwort! Ich kann mich anderen "Leidgeplagten" nur anschließen: Es ist ein echter Dienst an Mensch und Tier, dass Sie sich der Sorgen und Nöte von Tierbesitzern im Forum annehmen und helfen, indem Sie Ihr Fachwissen bereitstellen. Das freut mich wirklich sehr! Ich lese an mancher Stelle in den Foren, wie verunsichert sich manche Besitzerin von Hund, Katze oder Kaninchen fühlt, weil der Tierarzt einfach Medikamente auf den Tisch gestellt hat, ohne ausreichend etwas dazu zu erläutern. Sie leisten mit Ihren Erklärungen in dieser Hinsicht einen unschätzbaren Beitrag!

Kardio
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Re: Spitzenwerte bei Riesenrassen

Beitragvon Kardio » Do Aug 31, 2017 4:08 pm

Vielen Dank für das positive Feedback. :)

Viele Grüße und alles Gute
ihr Team für Tierkardiologie
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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