Meerschweinchen mit HCM

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Moderator: s.hertzsch

ewe78
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Meerschweinchen mit HCM

Beitragvon ewe78 » Do Jan 04, 2018 2:47 pm

Hallo und guten Tag!

bei meinem Meerschweinchen wurde eher als Zufallsbefund kürzlich beim Röntgen, eine eventuelle Herzthematik vermutet. Keine auffälligen Atemgeräusche bis zum heutigen Tag, außer optisch zu sehen leichte Flankenatmung. Bei der Auskultation klangen Herz und Lunge unauffällig. Die Kleine ist jedoch oft müde, da ihr Alter aber nicht bekannt ist, könnte es auch daran liegen.

Gestern waren wir nun zum Herzultraschall bei einer Kardiologin in der Tierklinik. Dort wurde allerding noch nie ein Herz-US beim Schweinchen gemacht und ich wurde auch auf die fehlenden Referenzwerte hingewiesen. Eine DCM und Klappeninsuffizienz konnten aber definitiv ausgeschlossen werden.

Aufrgund des LA/Ao-Wertes von 1,57 vermutet die Kardiologin eine HCM. Weitere Werte bzgl. Verdickung wurden meines Wissens nicht ermittelt, bzw. fand sie keine Vergleichbarkeit mit anderen Werten für die Diagnose. Sie hat sich dann beim LA/Ao an den Referenzwerten von Katzen orientiert und meinte über 1,5 wäre außerhalb der Norm. Ist das so in Ordnung und kann die Diagnose damit als gesichert angesehen werden? Die gesamte Lunge sieht auf dem Röntgenbild nicht gesund aus, also heller als üblich, vermutlich Wasser, meinte die Ärztin.

Wenn schon Wasser in der Lunge ist, ist es dann immer eine dekompensierte HCM? Oder woran macht man es fest, ob kompensiert oder dekompensiert?
Meine Frage rührt daher, daß sie Furosemid 10mg morgens und abends je 1/2 Tablette und Enalapril 5mg abends immer 1/4 Tablette verordnet hat (die empfohlenen Dosen für die beiden Wirkstoffe sind mir bekannt und liegen hier für mein 1350g Schweinchen jeweils im obersten Bereich, was mir viel vorkommt für den Behandlungsstart) und dies als Dauermedikation. Ich kenne es aber so, dass man die Entwässerung irgendwann auch wieder ausschleichen kann, wenn der ACE-Hemmer eine normale Herztätigkeit wieder herstellt. Kann man also erst nach einer erneuten Röntgen- und US-Untersuchung in ca. 3-4 Monaten sagen, ob es sich um eine kompensierte oder dekompensierte HCM handelt? Also wenn der LA/Ao sich verkleinert hat und kein Wasser in der Lunge ist, ist es eine kompensierte, schlussfolgere ich das richtig? 3-4 Monate war der Vorschlag der Tierärztin für die nächste Kontrolle.

Da mir die HCM noch nicht so schlimm erscheint, aufgrund fehlender Symptome (bzgl. der sichtbaren Atembewegungen könnte es auch von ihrer durch ein früheres Wirbelsäulentrauma entstandenen Verkrümmung des gesamten Brustkorbs kommen, dass es so komisch aussieht und muss nicht zwangsläufig am Herzen liegen), könnte ich mir vorstellen, daß die Entwässerung vielleicht recht schnell anschlägt und ich gar nicht über Monate Furosemid geben müsste (es entzieht dem Körper ja auch wichtige Mineralstoffe und belastet die Nieren). Woher weiß ich also, ab wann ich Furosemid eventuell gar nicht mehr geben muss?

Als Meerschweinchenhalter sucht man oft unter Gleichgesinnten nach Erfahrungswerten, weil es einfach an sich zu wenige Infos gibt bzgl. Herzerkrankungen bei dieser Tierart. Nun sind mir verschiedenste Empfehlungen von Tierärzten aus ganz Deutschland zu Ohren gekommen und ich wollte an dieser Stelle noch nach ihrer Ansicht zu folgendem Thema fragen:
Entwässerung lieber 1-2 mal täglich oder gar nur alle zwei Tage, wenn das Schweinchen damit klar kommt (Empfehlung der meisten Tierärzte) oder kleinere Dosen in kürzeren Abständen (eine Tierärztin empfiehlt, alle paar Stunden ein paar Krümel Furosemid zu geben, das wäre ihrer Meinung nach das Beste)? Bei der ersten Variante wird die Niere nur ein bis zwei mal am Tag belastet, bei der zweiten wäre sie ja ständig angeregt und wir können uns nicht vorstellen, daß das gut ist, eventuell ist es aber sogar schonender für die Niere immer ein bißchen angeregt zu werden, als ein oder zwei mal am Tag stark. In Beiträgen hier im Forum habe ich gelesen, daß Furosemid mind. zwei mal täglich gegeben werden muss, um einen therapeutischen Effekt zu haben, gilt dies nur für die Akutbehandlung im Falle von Herzversagen? Oder auch bei der Dauermedikation? Mir sind Fälle bekannt, in dem ein Schweinchen mit Entwässerung alle zwei Tage hervorragend zurecht kommt und eine häufigere Entwässerung eher schlecht vertragen wird.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort! Viele Grüße
E.Weber

s.hertzsch
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Re: Meerschweinchen mit HCM

Beitragvon s.hertzsch » Mo Jan 08, 2018 11:55 am

Guten Tag,

unter einer Hypertrophen Kardiomyopathie wird eine primäre Verdickung des Herzmuskels verstanden. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Vergrößerung des linkem Vorhof und zu einem Rückstau von Blut in den Lungenkreislauf kommen, mit der Folge, dass ein sogenanntes Lungenödem ensteht. In diesem Fall wird von einer Dekompensation der Erkrankung gesprochen. Sobald einmal eine Herzerkrankung dekompensiert ist, muss die Entwässerung lebenslang gegeben werden. Jedoch kann die Dosis entsprechend angepasst werden. Furosemid, welches das am häufigsten eingesetzt Entwässerungsmedikament ist, hat eine Wirkdauer von nur wenigen Stunden. Daher ist in der Regel eine mehrmals tägliche Gabe notwendig.

Leider kann ich, ohne Ihr Meerschwein selbst untersucht zu haben und die genauen Befunde zu kennen, nicht beurteilen, welche Erkrankung vorliegt und wie diese entsprechend therapiert werden soll. Besprechend Sie dies daher bitte mit Ihrer behandelnden Tierärztin.

Zur Information - es gibt ein englischsprachiges Paper von Çetin et al "Echocardiographic variables in healthy guineapigs anaesthetized with ketamine–xylazine" in denen echokardiographische Referenzwerte für anästhezierte Meerschweine beschrieben werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

ewe78
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Re: Meerschweinchen mit HCM

Beitragvon ewe78 » Di Jan 09, 2018 9:55 am

Herzlichen Dank Frau Hertzsch für Ihre Auskünfte! Ich werde die Referenzwerte an meine Tierärztin weiterleiten.

Die Kleine ist unter den Herzmedikamenten schon viel aktiver geworden.

Viele Grüße
E. Weber


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