RCM Katze Bailey - Medikamente

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Moderator: s.hertzsch

SkillyBailey
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RCM Katze Bailey - Medikamente

Beitragvon SkillyBailey » Di Jul 18, 2017 10:45 am

Hallo,

vor einigen Tagen wurde bei meinem Kater Bailey (2 Jahre und 3 Monate alt) eine Frühform der RCM diagnostiziert. Seine Symtome sind Schnellatmigkeit, hecheln, extremes Schlafbedürfnis, Lustlosigkeit und mangelnder Appetit. Zusätzlich hat er noch sehr mildes Asthma durch eine Gräser-/Pollenallergie. Sein linker Vorhof ist deutlich vergrößert und beträgt 1,74. Der Tierarzt hat ihm 2,5 mg Benadog/ Tag und 2 x 10mg furotab/Tag verschrieben. Im Röntgenbild ist nichts von einem ödem o.Ä. zu sehen, trotzdem sagt der Arzt, dass er furotab unbedingt und genau in der Dosis benötigt. Ist das richtig?braucht er das furotab unbedingt und in der Höhe? Kann es sein, dass der Arzt etwas im Schall gesehen hat, das er uns nicht gesagt hat? Er meinte, wenn ich möchte, dass es Bailey besser geht, braucht er all diese Tabletten in der angegebenen Dosierung. Ich habe auch nach clopidrogel gefragt aufgrund des vergrößerten linken Vorhofs. Der Tieratzt ist nicht dafür, es zu verabreichen. Heute habe ich mit meinem haustierarzt über den Fall gesprochen, dieser meinte, dass er durchaus die Gefahr einer Thrombose sieht und ich Bailey ruhig 1/4 Tablette clipidrogel/Tag geben kann. Meine Frage: ist es nun wirklich sinnvoll bei der Größe des Vorhofs von 1,74 Prophylaktisch das clopidogrel zu geben? Wie sieht es Nebenwirkungen wie inneren Blutungen aus?
Anbei finden Sie auch ein Foto des Herzultraschalls. Leider kann ich nicht alle Bilder hochladen, da sie zu groß sind :( Die anderen Bilder könnte ich Ihnen per E-Mail zusenden.
Ich bin sehr traurig und überfordert und hoffe, Sie können mir weiterhelfen.
Vielen herzlichen Dank und mit freundlichen Grüßen
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s.hertzsch
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Re: RCM Katze Bailey - Medikamente

Beitragvon s.hertzsch » Mi Jul 19, 2017 2:17 pm

Guten Tag,

die Therapie einer Herzerkrankung mit einem Entwässerungsmedikament wie Furosemid ist notwendig, sobald der Patient im Herzversagen ist. Ein Herzversagen liegt dann vor, wenn es infolge der Herzerkrankung zu einem Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge), Thoraxerguss und/oder einem Aszites (Wasseransammlung im Brustkorb oder Bauchraum) gekommen ist. Es gibt derzeit keine belastbaren Studien, die zeigen, dass ein Einsatz einer Entwässerungstherapie im asymptomatischen Stadium der Erkrankung einen Vorteil bringt. Jedoch kann bei manchen Patienten, welche kurz vor dem Herzversagen stehen oder Anzeichen eines beginnenden Herzversagens aufweisen, der vorzeitige Start mit Entwässerungsmedikamenten sinnvoll sein. Inwieweit dies auf Ihren Kater zutritt kann ich, ohne Ihren Kater selbst untersucht zu haben und die genauen Befunde zu kennen, nicht beurteilen.

Kommt es bei Katzen infolge einer Herzerkrankung zu einer Vergrößerung des Vorhofes/ der Vorhöfe ist das Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln als erhöht anzusehen. Daher wird häufig ein gerinnungshemmendes Medikament verabreicht um das Risiko einer Thromboembolie (Abschwemmen eines Blutgerinnsels) zu senken. Verhindert werden kann solche eine Thromboembolie durch die Medikamente jedoch nicht. Ab wann die Gabe von einem Gerinnungshemmer wie Clopidogrel indiziert ist, hängt von den individuellen Befunden im Ultraschall ab und sollte daher von dem behandelnden Tierarzt entschieden werden. Generell ist zu sagen, das Clopidogrel von den meisten Katzen sehr gut vertragen wird und das Risiko für vermehrte oder spontane Blutungen bei ordnungsgemäßer Anwendung als überaus gering anzusehen ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

SkillyBailey
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Registriert: Di Jul 18, 2017 10:32 am

Re: RCM Katze Bailey - Medikamente

Beitragvon SkillyBailey » Sa Jul 29, 2017 11:15 am

Hallo,

vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort.
Leider ist der Tierarzt, der die Diagnose gestellt hat, sehr redefaul, pampig und beantwortet nicht gerne Fragen. Er ist auch kein richtiger Kardiologe und ich bin nicht sicher, ob er wirklich etwas von Herzerkrankungen versteht. Daher strebe ich an, in 3 Monaten zum Kontrollultraschall zu einem richtigen Kardiologen zu gehen.
Diese Woche waren wir mit Bailey erneut dort um ihn abzuhören und zu besprechen, wie es ihm geht.
Bailey ist wieder aktiver und munterer, zeitweise frisst er auch sehr gut (leider nicht jeden Tag), er hat mehr Interesse an allem und besonders seine Atemfrequenz ist in den Keller gegangen. Und wir bekommen so viele Mäuse von ihm in den letzten 2 Wochen, wie im ganzen letzten halben Jahr vielleicht zusammen. Dennoch schläft er immer noch sehr viel! Der Tieratzt meinte, dass er nicht wieder ganz der Alte werden könne. Dennoch liegt laut ihn nur eine milde Form der RCM vor. Nach wie vor hat Bailey keine Anzeichen für ein Ödem, einen Erguss, etc. der Tieratzt hat die Dosis des Furotabs halbiert (jetzt 10mg/Tag). Er meint, Bailey braucht es vorbeugend. Ich bin wenig angetan davon, da es ja auch viele Nachteile hat. Zwecks Thrombosevorbeugung sprach er von Aspirin, dieses werde ich aber Bailey sicher nicht geben. Von meinem Haus Tierarzt habe ich ein Rezept für Clopidrogel bekommen, da er die Thrombosegefahr auch sieht und der Meinung ist, es kann nicht schaden und wird gut vertragen.
Leider habe ich nun immer noch offene Fragen.
1.) kann er wirklich nicht mehr der Alte werden? (Bekommt jetzt seit 2 Wochen Tabletten)
2.) ist es normal, dass er trotzt Medikamenten so viel schläft?
3.) kann ich es ohne das Furosemid versuchen?
4.) kann ich ohne Bedenken das Clopidrogel ausprobieren?
5.) Bailey ist bradykard. Sollte man etwas dagegen tun? Was kann die Ursache dafür sein? Der Arzt hat nichts weiter dazu gesagt.

Ich freue mich, wenn sie hierzu etwas sagen könnten und bedanke mich herzlich

Mit freundlichen Grüßen
Bailey + Mama

s.hertzsch
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Re: RCM Katze Bailey - Medikamente

Beitragvon s.hertzsch » Fr Aug 04, 2017 8:04 am

Guten Tag,

es freut mich zu hören, dass es Bailey besser geht. Durch die Herzmedikamente, kann die Erkrankung nicht geheilt, sondern lediglich die klinischen Symptome gemildert und das Voranschreiten verlangsamt werden. Daher verschwinden auch unter Therapie in der Regel nicht alle klinischen Symptome vollständig und werden mit der Zeit durch das kontinuierliche Voranschreiten der Erkrankung wiederkehren. Wann dies der Fall sein wird, kann nicht vorhergesagt werden, da jedes Tier einen individuellen Krankheitsverlauf aufweist und individuell auf die Therapie anspricht.

Wie bereits erwähnt, ist eine Entwässerungstherapie erst dann notwendig, wenn sich der Patient im Herzversagen befindet. Ob dies bei Ihrem Kater der Fall ist, kann ich leider nicht sagen, ohne Ihren Kater selbst untersucht zu haben und die genauen Befunde zu kennen.

In Bezug auf die Wirksamkeit von gerinnungshemmenden Medikamenten bei Katzen mit einer Herzerkrankung konnte eine aktuelle Studie zeigen, dass Clopidogrel das Risiko einer Gerinnselbildung besser senken kann als Aspirin. Zudem wird die Verträglichkeit von Clopidogrel als besser eingeschätzt. Ob der Einsatz von Clopidogrel bei Ihrem Kater notwendig ist, hängt vor allem von den Befunden des Herzultraschalls ab.

Bezüglich der möglichen Bradykardie kann ich, ohne die genauen Untersuchungsbefunde zu kennen, keine Aussage treffen.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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