Zu viele Medikamente?

Hier bieten wir momentan Hilfe bei Ihren kardiologischen Fällen an

Moderator: s.hertzsch

SeverineMartens
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Registriert: So Jul 09, 2017 9:22 am

Zu viele Medikamente?

Beitragvon SeverineMartens » So Jul 09, 2017 9:28 am

Es geht um meine kleine Hündin Luna, JRT-Whippet-Mix, 7,5 kg, 11 Jahre alt. Seitdem sie bei mir ist, also von klein auf, ist dieser Hund ein Wirbelwind ohne gleichen und quasi unkaputtbar. Jeden Tag sind wir unsere Strecken mit dem Fahrrad gefahren und unter 10 km Strecke war für sie nicht an Pause zu denken.

Anfang März des Jahres wollte ich Ihr noch einen Gefallen tun und wir haben (in Vollnarkose) nochmal ihre Zähne reinigen lasssen bevor das altersmäßig bei ihr zu kritisch wird. Nebenbei wurden sämtliche Blutwerte bestimmt, mit dem Ergebniss einer massiven Schilddrüsenunterfunktion. Die anschließende Therapie mit Forthyron verträgt sie bis heute sehr gut.

Seit dem Mai d.J., mit zunehmender Wärme, fiel mir bei Ihr ein ganz extremer Leistungsabfall auf. Wir kamen mit dem Rad kaum noch vorwärts und Luna sperrte das Maul auf wie ein Scheunentor. Danach fiel mi auf, dass sie das nicht nur bei körperlichen Belastungen machte, sondern auch auf entspannten Gassigängen wenn es recht warm btw. schwül war. Dazu kam zeitweise ein starker Husten, als wenn sie etwas los werden wolle, was in ihrem Hals feststeckt. Dieses Husten hatte sie früher schon des öfteren, aber immer nur ganz kurz und dann war wieder gut. Ich dachte immer, es wäre trockener Staub vom Weg (sie ist ja klein) oder Graspollen/-samen, die sie einatmete. Es war ja immer nur in der warmen Jahreszeit. Jetzt aber wollte dieser Husten gar nicht wieder aufhören.

Dann kam der Tag, ebenfalls ein warmer Sonnentag, wo sie sich urplötzlich auf der Hundewiese erbrechen musste. Danach war sie sehr schlapp und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Ihr Körper glühte förmlich und wo ich die haut sehen konnte, war diese sehr gerötet. Wieder zuhause - ich hatte sie getragen - hat sie getrunken wie ein Loch und nach so einer Viertelstunde war alles wieder gut.

Unsere Tierärztin stellte dann beim Abhören fest, dass die Mitralklappe wohl nicht mehr richtig schließen würde. Beim Herzultraschall (Farbdoppler) wurde dieser Verdacht bestätigt. Die Tierärztin sprach von einem Rückstau von sechs Metern, was ich nicht verstanden hatte. Ein Röntgenbild des Brustraumes zeigte keinen Rückstau in der Lungenvene und kein Wasser in der Lunge. Die Luftröhre lag frei, das Herz drückte da nichts ab. Das Herz sei etwas vergrößert und der Linke Vorhof allerdings nicht dilatiert.

Luna erhielt folgende Medikation:
Morgens: 1/2 Dimazon 10, 1,5 Cardisure 1,25
Abends: 1,5 Cardisure 1,25, 1 Cardalis 2,5/20
Dieses natürlich parallel zu den Forthyron (alle 12 Std. 150 mikrogramm)

Jetzt bewegt meine kleine Luna sich kaum noch und ist sehr phlegmatisch und schreckhaft. Sie ist total schwer zu motivieren, etwas zu unternehmen, will sofort immer wieder rein und starrt Löcher in die Luft. Ihr Herz schlägt so stark, dass ich es durch ihre Pfoten spüre, wenn sie auf meinem Schoss sitzt. Bei so einem Herzschlag würde ich auch nur noch still in der Ecke sitzen aus Angst, mein Herz könnte explodieren. Lunas Atemnot hat sich nicht im geringsten gebessert und auch der Husten ist noch da, wenn auch etwas seltener (nur an trockenen Tagen und auf staubigen Wegen).

Ihr Ruhepuls liegt bei 90 Schlägen und die Atemfrequenz so um die 30.

Nach Rücksprache mit der Tierärztin wurde das Cardisure auf 2x täglich 1,25 mg reduziert, also morgens und abend je eine Tablette. Verändert hat sich allerdingst bei Luna dadurch nichts. Leider ist meine Tierärztin immer sehr hektisch, hat wenig Zeit und Geduld mit Erklärungen, und ich bin in meiner Sorge immer sehr unkonzentriert oder stelle meine Fragen nicht richtig. Deshalb also hier ein paar Fragen, die mir auf der Seele brennen. Vielleicht (hoffentlich) können Sie mir ja etwas helfen:

Ein vergrößertes Herz kann doch auch auf das sportliche führen (Radfahren) zurückzuführen sein, oder?

Kann die Vollnarkose vor vier Monaten die Ursache für den Herzfehler sein? Normal hätte die Tierärztin ja da schon das Geräusch der Herzklappe hören müssen/können, oder?

Wenn der linke Vorhof nicht dilatiert und noch intakt ist, sie sich also in einem frühen Stadium der Herzinsuffizienz befindet, würde da nicht das Cardalis reichen um ihr Erleichterung zu verschaffen?

Müsste ihre Atemnot bzw. Kondition sich unter der Medikation nicht eigentlich verbessern?
Oder geht es jetzt nur noch darum, eine Verschlimmerung zu verhindern?

Ich bedanke mich jetzt schon ganz höflich für Ihre Hilfe, Ihre Hinweise und Ihre weiterführenden Gedanken ...

s.hertzsch
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Registriert: So Aug 02, 2015 10:47 am

Re: Zu viele Medikamente?

Beitragvon s.hertzsch » Di Jul 11, 2017 8:09 am

Guten Tag,

ältere Hunde kleiner Rassen haben häufige eine sogenannte Mitralklappenendokardiose. Dabei handelt es sich um eine degenerative Veränderung der Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer. Die derzeitigen Therapieempfehlungen richten sich nach den individuellen im Ultraschall/Röntgen gefundenen Veränderungen des Herzens und nach den gezeigten Symptomen. Ist es bereits zu einer Vergrößerung des Herzens aufgrund der Erkrankung gekommen, erfolgt eine Therapie mit dem Wirkstoff Pimobendan (Handelsname Vetmedin oder Cardisure) um den Zeitpunkt bis zum Auftreten von einem Herzversagen zu verlängern. Eine entwässernde Therapie erfolgt erst beim Auftreten von einem sogenannten Lungenödem (Wasser auf der Lunge). Die zusätzliche Gabe eines ACE-Hemmers konnte in einer aktuellen Studie keinen Überlebensvorteil zeigen. Welche Therapie für Ihre Luna zum jetzigen Zeitpunkt die richtige ist, kann ich, ohne Ihren Hund selbst unversucht zu haben und die genauen Befunde zu kennen, nicht beurteilen. Jedoch sollte es erfahrungsgemäß unter der Therapie zu einer Besserung der klinischen Symptomatik kommen. Ist dies nicht der Fall, müssen andere Ursachen für die klinische Symptomatik berücksichtigt werden.
Da es sich bei der Mitralklappenendokardiose wie bereits erwähnt um eine degenerative Veränderung handelt, ist die Narkose nicht ursächlich für die Veränderung. Auch ein sogenanntes Sportlerherz führt nicht zu einer Veränderung der Mitralklappe.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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