Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

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Moderator: s.hertzsch

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Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

Beitragvon saste1978@online.de » Mo Mai 22, 2017 8:19 pm

guten tag, ich benötige dringend einen ratschlag zwecks behandlung von beiden stadien der filariose immitens(makro & mikro) wir haben unsere kleine 8 kg schwere mischlingshündin, circa 2 jahre alt, seit 4 wochen. sie kommt aus ungarn und kam eigentlich mit einem negativen knott test nach deutschland. direkt bei ankunft fiel mir ihre hohe atemfrequenz im ruhezustand bzw. im schlaf auf. teilweise lag diese zwischen 80 und 90 pro minute. hecheln und husten mit würgereiz ohne erklärlichen grund kam hinzu. leistungsmässig ist sie aber fit. fressen tut sie auch normal. der tierarzt vermutete lungenwürmer und gab uns milbemax. daraufhin kollabierte unser hund und kam mit einem analphylaktischen schock in die klinik und überlebte nur knapp. verdachtsdiagnose war herzwurmbefall. unsere haustierärztin machte dann ein röntgenbild und ultraschall vom herzen, aber beides war ohne befund. bei den blutwerten waren leber- und nierenwerte leicht erhöht, aber nicht dramatisch. eine weitere blutprobe zwecks ungarnprofil wurde nach dr. naucke zum labor parasitus ex gesendet. ergebnisse des profils waren alle negativ bis auf mikro- und makrofilarien. das war dann positiv mit einer dichte von 16850. aufgrund des schocks therapiert unsere ärztin nur mit spot on advocate. es wird kein antibiotikum gegeben und nichts gegen die makrofilarien gemacht. wir sollen jetzt insgesamt 4x advocate geben im abstand von je 5 tagen, danach wird ein weiterer bluttest zur dichtebestimmung gemacht. ist der wert gesunken, wird weiter mit advocate behandelt. meines wissens nach, hilft das spot on doch nur bei mikrofilarien. was ist denn mit den makrofilarien? die werden doch davon nicht berührt bzw. werden nur unfruchtbar gemacht durch das spot on. wenn nur die mikrofilarien getötet werden, hat unser hund ja bestimmt nach wie vor die hohe atemfrequenz, den husten und vermutlich auch die erhöhten leber- und nierenwerte. ist unsere ärztin nur vorsichtig und will kein risiko eingehen, wegen der vorgeschichte mit dem milbemax? im übrigen haben sich die lungenwürmer nicht bestätigt. und auch sonst ist sie gesund. wir wollen unserem hund natürlich kein risiko aussetzen. und wenn man melasormin spritzt, weiß ich nicht, ob sie das überleben wird, wegen der gefahr einer embolie oder schocks. aber eine behandlung nur mit advocate kann doch nicht richtig sein bei beiden filarien oder kann man das so machen? und vorallendingen, was bewirkt es dann bei den makrofilarien? die leben ja dann weiter und treiben ihr unwesen nur eben evtl. kinderlos, wenn das spot on sterilisierend auf die adulten würmer wirkt. was ist wenn ein wurm eines natürlichen todes stirbt und abgeht? dann besteht doch auch die gefahr einer embolie oder? gehen die symptome zurück, wenn man nur mit dem advocate behandelt? und vorallendingen wieviel sinn bzw. wie hilfreich ist das bei mikro und makrofilarien? was raten sie uns? kann man das so machen oder sollen wir lieber was anderes versuchen und den arzt wechseln. ein spot on hat sie schon bekommen und verträgt es bisher gut. wir sind so verzweifelt, weil man sich so alleine gelassen fühlt und jeder was anderes sagt. in der tierklinik will man das mit drei injektionen machen und klinikaufenthalt, allerdings besteht die hohe gefahr, dass der hund verstirbt an dieser therapie, was wir natürlich nicht wollen. aber bei der etwas milderen methode mit dem melasormin ist die wahrscheinlichkeit leider auch nicht wirklich geringer. wir möchten einfach, dass unser hund alt wird und normal luft bekommt ohne diesen nervigen husten. demnach wiederhole ich nochmals die frage, reicht es bei einem empfindlichen hund aus beide filarien nur mit advocate auf dauer zu behandeln? und was macht das spot on mit den makrofilarien? werden diese dadurch unfruchtbar oder kann man das nur mit anderen medikamenten wie doxycyclin erreichen? ich bedanke mich schon jetzt für eine antwort. mit freundlichen grüßen verbleibt fam. schmitz

mtorti
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Re: Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

Beitragvon mtorti » Di Mai 23, 2017 7:40 am

Hallo!

Eine Infektion mit Dirofilaria immitis sollte beim Hund prinzipiell immer therapiert werden, da ein Befall sowohl mittel- als auch langfristig negative Folgen für das Tier hat. Wie Sie es bereits geschrieben haben, kann es dabei jedoch manchmal zu verschiedenen Komplikationen kommen. Um solche Komplikationen zu vermeiden und die größtmögliche Sicherheit bei der Behandlung zu gewährleisten, sollten die Tiere während bestimmter Abschnitte der Behandlung stationär in einer Tierklinik verbleiben. So kann ein schnelles Eingreifen gewährleistet werden kann.
Wir empfehlen bei der Therapie das Therapieschema, das durch die American Heart Worm Society erarbeitet wurde, da dieses Protokoll bei der höchsten Wirksamkeit zugleich die größte Sicherheit bietet.

Weitere Informationen zur Erkrankung und Therapie finden Sie auf folgenden Seiten:
https://www.tierkardiologie.lmu.de/pta/dirofilariose.html (deutsch)
https://www.heartwormsociety.org/ (englisch)

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Marin Torti
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

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Re: Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

Beitragvon saste1978@online.de » Di Mai 23, 2017 9:26 am

guten tag, vielen dank für die beantwortung. wir stellen ja nicht in frage, ob der hund behandelt werden soll oder nicht! sie wird ja behandelt, allerdings nur mit advocate spot on. laut tierarzt reicht das aus, ohne das man doxycyclin gibt oder eben diese melasormin spritzen. laut meinen infos reicht advocate aber nur bei einem befall mit mikrofilarien aus und macht im besten fall die adulten würmer, also die makrofilarien, unfruchtbar. aber eine gezielte bekämpfung, das diese absterben und abgehen wird nicht gemacht. damit leben sie ja weiter, zwar unfruchtbar, aber leben und richten bestimmt auch ohne larvenproduktion schaden an und die symptome wie husten und hohe atemfrequenz bleiben den hund erhalten vermutlich. meine frage war jetzt, weil wir die therapie mit advocate schon begonnen haben, ob das überhaupt so ausreicht bei einem geringen befall mit dichte 16850, wenn man auch makrofilarien nachweisen kann oder ist unsere tierarzt da auf dem holzweg? auf antibiotikum angesprochen und auch auf die idee gebracht, das advocate ja nur gegen mikrofilarien hilft, haben wir schon, aber es kam nichts wirklich produktives dabei raus, außer das wir die dichte jetzt runterfahren wollen mit dem advocate damit wäre irgendwann der test negativ, aber vermutlich nur auf mikrofilarien. kann man das so machen laut ihrer erfahrung mit advocate, um beides zu behandeln oder bringt das nichts? vielen dank.

mtorti
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Re: Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

Beitragvon mtorti » Mi Mai 24, 2017 6:39 am

Hallo!

Wie wir bereits geschrieben haben, empfehlen wir die Therapie eines Herzwurmbefalls mit dem Protokoll der American Heart Worm Society. Dieses Protokoll beinhaltet eine mikrofilarizide (mittels Makrozyklischer Laktone), eine markorfilarizide Therapie (mittels Melarsormin) und auch eine Therapie gegen Wolbachia (mittels Doxycyclin). Wie Sie bereits angemerkt haben, tötet die Gabe von Makrozyklischen Laktonen alleine (Advocate) nicht die adulten Stadien (Makrofilarien) ab, sondern nur die Mikrofilarien. Dadurch wird folglich der Knott-Test auf Mikrofilarien negativ, der Antigen-Test bleibt jedoch positiv, da weiterhin adulte Würmer vorhanden sind. Die Gabe von Doxycyclin gegen Wolbachen dient zudem nicht nur dazu die Makrofilarien unfruchtbar zu machen, sondern es reduziert auch das Komplikationsrisiko (z.B. anaphylaktische Reaktionen).
Die Durchführung dieses Protokolls wird sowohl bei Tieren mit geringem als auch mit starkem Befall empfohlen. Weiterhin ist zu beachten, dass Tiere, die gegen Herzwümer behandelt werden (unabhängig von der Art der Behandlung) während des gesamten Behandlungszeitraums ruhig gehalten werden sollen (d.h. Leinenzwang) um Komplikationen zu vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Marin Torti
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

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Re: Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

Beitragvon saste1978@online.de » Fr Mai 26, 2017 11:28 am

sehr geehrter herr dr. torti,

ich bedanke mich für die ausführliche berichterstattung. ich habe mit einer ärztin aus dem raum münchen gesprochen und diese empfahl aber nach neuesten erkenntnissen lt. diesem herzwurmprotkoll aus amerika nur die behandlung mit doxycyclin über 4 wochen, dazu ein darmflorapräparat und danach monatlich advocate. nach einem halben jahr bluttest, wenn dieser noch positiv sein sollte, das ganze wiederholen. nach einem jahr sollte der test komplett bei makro und mikrofilarien negativ sein. besonders wenn der befall nicht so hoch ist. die besonderheit hier, das der hund keine embolie entwickeln kann bzw. das risiko deutlich minimiert wird und man dieses melasormin gar nicht benötigt. sollte allerdings nach einem jahr der test immer noch positiv sein, dann empfiehlt es sich mit dem melasormin zu behandeln. laut der ärztin tötet schon das doxycyclin die makrofilarien ab bzw. lässt diese austrocknen oder ähnliches und so sterben sie stück für stück ab und nicht in einem gang, was somit dann das risiko einer embolie deutlich minimiert. laut ärztin ist das ein neues behandlungsschema auch nach dem herzwurmprotkoll aus amerika. sie sagt, alle hunde sind bisher auf diese therapie angeschlagen und sind heute gesund. kann das so stimmen oder ist dieses melasormin/immitricide umungänglich? laut tierschutzorganisation wird das auch genauso, nur mit dem antibiotikum und dem spot on hinterher behandelt. wenn sie mich hier nochmal kurz aufklären könnten, wäre das super. für das tier ist dieses prozedere ohne die spritze ja auch viel angenehmer. ich möchte, dass der hund frei von den würmern ist. laut arzt wäre das so machbar ohne spritze. sehen sie das auch so, oder ist das quatsch? ich bedanke mich bei ihnen für die beantwortung meiner fragen.

mtorti
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Re: Mikro- & Makrofilarien positiver Hund Dichte 16850

Beitragvon mtorti » Mo Mai 29, 2017 2:14 pm

Hallo!

Das Protokoll gemäß der American Heart Worm Society entspricht dem aktuellen Forschungsstand. Durch dieses Protokoll sind die Herzwürmer in 99% der Fälle beseitigt.
In der Literatur sind verschiedene, sogenannte slow-kill Protokolle beschrieben. Diese haben eine geringere Wirksamkeit als das Protokoll mit Melarsormin. Außerdem wird eine Resistenzbildung gegen die eingesetzten Makrozyklischen Laktone befürchtet. Zudem besteht auch bei diesen slow-kill Protokollen ein Risiko für eine Lungenembolie. Aus diesen Gründen soll diese Form der Herzwurmtherapie nur dann eingesetzt werden, wenn Melarsormin nicht verfügbar ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Marin Torti
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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