Kater HCM

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Moderator: s.hertzsch

Verena1990
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Kater HCM

Beitragvon Verena1990 » So Mai 07, 2017 9:24 am

Hallo,

bei meinem Kater wurde ca vor einem Jahr HCM diagnostiziert. Seine Medikation: 2x täglich Dimazon 5mg,1x Fortekor 2,5mg, 1x eine viertel Tablette Clopidogrel.
Bis letzte Woche war er sehr stabil, doch letztes Wochenende begann er 2x täglich für wenige Sekunden zu husten/würgen, nachdem er etwas länger gelegen hat und dann aufgestanden ist. Daraufhin habe ich mit unserer Tierärztin gesprochen, sie meinte, es sei Wasser entweder in der Lunge oder woanders im Brustkorb und ich soll das Dimazon um 3x täglich 5mg erhöhen. Das habe ich getan, immerhin zeigt er jetzt dieses Husten am Tag nicht mehr, nur noch 1x in der Nacht. Leider kann unsere Tierärztin Mephisto nicht untersuchen, weil für ihn die Fahrt und die Situation in einer Praxis viel zu stressig ist und er seit einem Kippfensterunfall letztes Weihnachten vor Panik während der Autofahrt ein hochgradiges Lungenödem entwickelt, weswegen ich mit der Tierärztin immer so spreche, ohne dass Mephisto in die Praxis muss.
Wenn ich den Eindruck habe, dass die aktuelle Dosis des Dimazons nicht ausreicht, kann ich es ein bisschen erhöhen. Da er noch einmal in der Nacht hustet, könnte es ja sein, dass die Dosis noch nicht ausreicht.
Glauben Sie, ich könnte ihm 4x täglich 5mg Dimazon geben? Oder gibt es eine maximale Dosis, die nicht überschritten werden sollte? Natürlich werde ich mit meiner Tierärztin auch nochmal darüber sprechen, aber ich möchte auch gerne mal Ihre Erfahrungen hören. Ich habe noch eine Frage: Wie hoch ist eine normale Atemfrequenz pro Minute? Und bedeutet es, wenn diese erhöht ist, dass Wasser in der Lunge ist?
Mephisto hat noch einen starken Lebenswillen: er spielt ein wenig, frisst und trinkt gut und ist sehr interessiert an seiner Umwelt. Er ist auch erst 2 Jahre alt. Vor der Veränderung am letzten Wochenende, hat er etwas mehr gespielt und seine Atmung war etwas ruhiger als jetzt.
Ich danke Ihnen schon mal für Ihre Antwort.
Viele Grüße, Verena Mertens

Kardio
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Re: Kater HCM

Beitragvon Kardio » Mo Mai 08, 2017 10:38 am

Hallo!

Bei Katzen und Hunden sollte die Atemfrequenz in Ruhe (d.h. während des Schlafes) bei maximal 30 Atemzügen pro Minute liegen. Sollte die Ruheatemfrequenz erhöht sein, kann dies für ein Lungenödem (Wasser auf der Lunge) sprechen. Dementsprechend sollte zeitnah ein Tierarzt kontaktiert werden, wenn eine erhöhte Ruheatemfrequenz festgestellt wird, und ein Röntgenbild des Brustkorbes angefertigt werden. Nur mit Hilfe eines Röntgenbildes kann man erkennen, ob tatsächlich ein Lungenödem vorliegt oder eine andere Problematik besteht.

Husten wird bei Katzen in aller Regel nicht durch eine Herzerkrankung verursacht. Deshalb sollte bei Katzen mit Husten eine weitere Diagnostik des Respirationstrakts erfolgen.

Furosemid (Dimazon) ist ein entwässerndes Medikament. In hohen Dosierungen hat es jedoch auch eine leichte bronchienerweiternde Wirkung, weshalb sich auch Symptome wie Husten unter Therapie mit Furosemid geringgradig verbessern können. Furosemid ist nicht zur Therapie von Husten geeignet, da es sich bei der bronchienerweiternden Wirkung nur um einen Nebeneffekt handelt. Zur Therapie von Husten sollte eine auf die zugrundeliegende Krankheit angepasste Medikation erfolgen.

Welche Therapie die richtige für Mephisto ist und in welcher Dosierung Furosemid bei speziell Ihrem Kater verwendet werden sollte, kann nur der behandelnde Tierarzt entscheiden – idealerweise nach adäquater Diagnostik.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kater alles Gute!
Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München

Verena1990
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Re: Kater HCM

Beitragvon Verena1990 » Di Mai 09, 2017 7:57 pm

Hallo,
vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Ich werde Mephistos Ruheatemfrequenz zählen.
Ich glaube, es war kein reiner Husten, den er hatte, sondern ein Husten in Verbindung mit Würgen. Unsere Tierärztin sagt, dass er versucht, das Wasser loszuwerden, wenn er länger gelegen hat und dann aufsteht. Haben Sie dieses Phänomen auch schon bei Katzen erlebt, die ein Lungenödem entwickelt haben?
Ich würde Mephisto so gerne untersuchen lassen, aber er ist leider ein sehr schwieriger Patient geworden: Bevor seine Herzerkrankung entdeckt wurde, gab es keine Probleme, ihn zum Tierarzt zu bringen. Als seine Erkrankung auffiel, haben wir ihn notfallmäßig in eine Tierklinik gebracht und seitdem beißt er heftig zu bei Tierarztbesuchen. Er hat sehr viel Panik und wird dadurch in diesen Momenten sehr aggressiv und ist kaum zu bendigen. Vier Bissopfer (Tierärzte und 2 Helferinnen) sind schon zu verbuchen. Hinzu kommt, dass er an Weihnachten in einem gekippten Fenster hängen blieb und infolge des Schocks ein Lungenödem entwickelte. Dieses wurde zum Glück schnell behandelt und er hat sich gut regeneriert. Aber nach diesem Vorfall hat er während der Autofahrt zur Tierärztin anscheinend so viel Stress, sodass sein Kreislauf diesen nicht mehr kompensieren kann und erneut ein Lungenödem entwickelt. Das ist jetzt drei mal auf dem Weg zur Ärztin passiert nach dem Vorfall. Meine Vermutung ist, dass es vielleicht eine Art Retraumatisierung ist, sobald er ins Auto gepackt wird. Vielleicht assoziiert er die Autofahrt mit seiner großen Angst, die er während der Autofahrt zum Tierarzt hatte, nachdem er den Schock durch das Hängenbleiben erlitten hatte. Glauben Sie, sowas könnte tatsächlich stattfinden oder vergessen Katzen eine solche Erfahrung? Ich könnte mir vorstellen, dass solche Erlebnisse, wenn Todesangst herrscht, durchaus Auswirkungen auf das Lernen haben.
Haben Sie auch Erfahrungen mit schwierigen Katzen als Patienten gemacht und haben vielleicht Ratschläge, was man tun kann, damit der Stresspegel während eines Tierarztbesuches wieder auf ein normales Niveau gesenktt wird?
Zum Glück scheint die erhöhte Dosis Dimazon eine Wirkung zu erzielen: Seit Samstagnacht hat Mephisto das Würgen inklusive Husten nicht mehr gehabt und ich finde, er ist auch schon wieder ein bisschen agiler.
Viele Grüße, Verena Mertens

Verena1990
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Re: Kater HCM

Beitragvon Verena1990 » Di Aug 22, 2017 7:55 pm

Hallo liebes Team der Tierkardiologie,

ich habe hier und schon mal 2 mal von meinem herzkranken Kater Mephisto berichtet. Nun ist er gestern Nachmittag mit 2,5 Jahren gestorben. Er fehlt, das ist gar keine Frage... Er ist zu Hause gestorben und zwar erstickt an dem Wasser in seiner Lunge. Als mein Freund von der Arbeit nach Hause kam, hatte er noch die letzten 5 Minuten seines Todeskampfes mitbekommen. Mephisto habe flach am Boden gelegen, geröchelt und Schaum vorm Maul gehabt. Als er gestorben ist, lief ihm Wasser aus dem Maul, es war eine Pfütze um ihn. Er hat schon Dimazon regelmäßig bekommen, 5 mg. Wir haben noch nicht mit seinem Tod gerechnet, er hatte zwar mehr gelegen und nach dem Spielen kurz intensiver geatmet, aber er schien noch recht lebensfroh. Er hat gespielt, gut gefressen... Im Nachhinein mache ich mir Vorwürfe, dass ich die Entwässerung vielleicht hätte ein bisschen erhöhen müssen, aber er kam recht gut klar, außer besagte Auffälligkeiten. Nun habe ich eine letzte Frage, die mich brennend interessiert, weil ich unbedingt wissen möchte, wie er in seinen letzten Minuten gelitten hat: wie lange dauert im Schnitt ein solcher Tod, wenn eine Katze an dem Lungenödem erstickt? Das ist bestimmt unterschiedlich, aber vielleicht können Sie mir ja etwas von Ihren Erfahrungen berichten. Das würde mir sehr helfen... Meine größte Sorge ist, dass er furchtbar gelitten hat. Mein Freund hat ja die letzten fünf Minuten noch mitbekommen. Hätte man noch etwas tun können, nachdem er aufgehört hat, zu atmen und das Wasser herauslief? Das beschäftigt mich sehr.

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Viele Grüße, Verena Mertens

s.hertzsch
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Re: Kater HCM

Beitragvon s.hertzsch » Fr Aug 25, 2017 11:30 am

Guten Tag,

es tut mir sehr leid zu hören, dass Ihr Kater verstorben ist.

Jedes Tier und jeder Erkrankungsverlauf ist individuell. Daher ist es nicht möglich Ihre Frage pauschal zu beantworten. Jedoch möchte ich Sie bitten sich keine Vorwürfe zu machen. Sie haben getan was Sie konnten.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Hertzsch

Team Tierkardiologie
Medizinische Kleintierklinik
Ludwig-Maximilians-Universität München


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